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Ludwig Thoma

Ludwig Thoma, geb. 1867 in Oberammergau, lebt in München. Thomas Sprungbrett war der »Simplizissimus«, als dessen »Peter Schlehmil« er sich zuerst in weiteren Kreisen bekannt gemacht hat. Wie hier als Satiriker, hat er auch in seinen größeren Werken, seinen Lustspielen, Humoresken und Bauerngeschichten den engen Zusammenhang mit den Eindrücken des realen Lebens nirgends verleugnet. Er steht gleichsam mitten unter den Gestalten, die er schildert, trägt ihre Maske und spricht mit ihren Worten. Und doch darf Thoma nicht mit einer literarischen Sekte in einem Atem genannt werden, mit einer Sekte, die ähnliche Charakterzüge aufzuweisen hat: den typischen Bauern- und Dialektdichtern. Er ist eine Einzelerscheinung; er hat sozusagen sein Stück Kultur, ohne es bei jeder Gelegenheit ins Treffen zu führen. Von seinen zahlreichen Bauerngeschichten seien »Agricola« und »Der Wilderer« hervorgehoben. Sie zeigen oft eine verblüffende Sicherheit der Technik und Frische der Farbe. Auch verfallen sie nicht in die Mätzchenmacherei und das »bodenständige, wurzelechte« Phrasentum der gewöhnlichen »Heimatpoeten«. Allerdings ist Thomas Talent, wie es singulär ist, auch eng begrenzt. Er sieht alles in derselben Perspektive. Das genügt für den Satiriker aktueller Kleinigkeiten, auch für den Genievirtuosen, niemals aber für den Dramatiker, auch den der leichteren Art nicht. Hier verfällt er oft in Banalitäten, in Possenreißerei und unbewußte Harmlosigkeit. Die Lacher hat er allerdings auch da auf seiner Seite. (»Die Medaille«, »Die Lokalbahn«.) Seine satirischen Gedichte erschienen gesammelt unter dem Titel »Grobheiten« und »Neue Grobheiten«, seine Geschichten unter dem Titel »Assessor Karlchen« und »Lausbubengeschichten«.

V. H.


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