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Fritz Skowronnek

Fritz Skowronnek. Unter den wenigen, bei denen die Heimatskunst wirklich eine Kunst genannt werden darf, ist Fritz Skowronnek, (geb. 1858 in Schnicken bei Goldap, lebt in Berlin) wohl der bedeutendste Schriftsteller. Es gelang ihm, in seinen Novellen »Masurenblut« gute Schilderungen der Sitten und Charaktere eines der seltsamsten und interessantesten Volksstämme zu geben. Wir erinnern uns oft an Turgenjews »Tagebuch eines Jägers«, wenn wir mit Skowronnek durch die weiten Heideflächen, durch Kiefer- und Birkendickichte streifen, oder uns unter die anscheinend so tierisch stumpfsinnigen, in Wahrheit viel tiefer angelegten, fatalistischen Bauern des masurischen Tieflandes begeben. Ein kräftiger Realismus ist in diesen Skizzen der Mentor gewesen, und manches ist von einer derben Plastik, die mehr als den literarischen Muskelmenschen verrät. Auch einen Roman und mehrere Dramen hat Skowronnek verfaßt, die ähnlich in der Auffassung sind und auch in der Stimmung verwandt anklingen. Der Roman »Der Erbsohn« ist in der Anlage allzu breit geraten und hat auch sonst technische Schwächen. Die Bühnenarbeiten Skowronneks »Zwei Mütter«, »Der Muckerpfaff«, »Meine Tochter« usw. sind weniger bemerkenswert. Erwähnt seien auch seine famosen Humoresken »Wald und See«, die in Kolorit und Stimmung den Novellen und Skizzen verwandt, in der Komposition aber weniger glücklich sind als diese. Der Humor ist einfach und gesund, spezifisch norddeutsch.

V. H.


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