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Camille Lémonnier

Camille Lémonnier, geb. 1841 in Brüssel, lebt ebenda. Von der belgischen Schriftstellergruppe ist Lémonnier am bekanntesten. Er hat ganze Stöße von Büchern aller Art geschrieben, ohne daß man eine Abnahme des Temperaments hätte feststellen können. Er ist ein bißchen Naturalist und ein klein wenig Idealist. An der Statur Zolas gemessen, erscheint er klein und schmächtig. Und Idealist ist er nur soweit, als er Ideen verarbeiten zu müssen glaubt, Prinzipien, Wahrheiten. Das heißt: er ist auch ein Stück »Führer«: etwa ein Drittel seines Werkes ist Feuilleton oder Leitartikel. Lémonnier hat eine Beichte geschrieben: »Die Liebe im Menschen«. Dieser Roman wäre meisterhaft, trüge er weniger bunte Farben, wäre der Stil weniger hoch geschraubt – wäre nicht der Roman so ganz dem Geist der französischen Sprache entgegen geschrieben. Dasselbe ließe sich von fast allen Romanen Lémonniers sagen. Trotzdem ist Lémonnier, wenn nicht ein unvergänglicher, so doch ein erfreulicher Ruhm der franko-belgischen Literatur.

R. S.


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