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Karl Hans Strobl

Karl Hans Strobl (geb. zu Iglau 1877, lebt in Brünn) begann als Novellist mit den Sammlungen »Aus Gründen und Abgründen«, »Und sieh, so erwarte ich dich«, schrieb dann interessante und geistvolle Essays: »Die Weltanschauung in der Moderne« und »Der Buddhismus und die neue Kunst«, bis er mit seinem Romane »Die Vaclavbude« den eigenen Ton fand und seinen ersten Erfolg erntete. Das Buch zeigte bereits deutlich alle jene Elemente, aus denen die Kunst jenes seltsamen Mischlings aus Slaven- und Germanentum sich zusammensetzte, den tiefen, studentisch geschwellten Brustton des nationalen Kämpfers und die slavische Musikantenseele, die nur zu leicht einen Schlupfwinkel für sich entdeckt, um sie so in Stimmungen auszutoben. Das Buch nimmt als historischen Hintergrund den tschechischen Aufstand von 1898, die Kämpfe der deutschen Studentenschaft gegen den plündernden Pöbel und das chauvinistische Hetzertum. Es gelingt ihm, prächtige Gestalten aus diesem Kolorit herauszuheben und sie mit den lebendigen Gesten ihrer Überzeugung einander gegenüberzustellen. So hat er ein an und für sich poesieloses Milieu mit der Illusion des Martyriums zu umgeben gewußt. Künstlerisch reifer als diese, oft noch lose zusammenhängenden Kapitel ist sein nächster Roman »Der Fenriswolf«, der wiederum von einem deutsch-böhmischen Milieu ausgeht, und das Leben einer Kleinstadt in satten, durchdringenden Farben schildert. Strobl erweist sich dabei als ein glänzender Beobachter der Sitten und Wunderlichkeiten eines Landes, das die meisten nur aus einer lächerlichen Karikatur kennen. Auch er hält den kritischen, ein wenig tendenziösen Standpunkt fest, ohne jedoch ungerecht zu werden. Wo er ganz objektiv bleibt, ist er denn auch ganz künstlerisch. Sein letztes Buch brachte wiederum Novellen, »Eingebungen des Aghaxat«, das ebenfalls durch die hervorgehobenen Züge der beiden Romane charakterisiert wird. Sein Schauspiel »Die Starken« hat weniger künstlerische Qualitäten. Was Strobl in seinem Essay »Arno Holz und die jüngstdeutsche Bewegung« über letztere gesagt hat, charakterisiert sein Verhältnis zur Moderne.

V. H.


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