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Edmond Rostand

Edmond Rostand, geb. 1864 zu Marseille, lebt in Paris. Er begann mit einem biblischen Drama in neuromantischem Geschmack, dem Sarah Bernhard zu einem Achtungserfolge verhalf. Mit seinem folgenden Stück »Cyrano de Bergerac« eroberte er die großen und kleinen Bühnen der Welt. Psychologisch ist dieser unerhörte Erfolg leicht zu erklären, wenn man sich die Lage der französischen Literatur der neunziger Jahre vergegenwärtigt.

Die Pariser, die für die naturalistischen Stücke niemals eingenommen waren und lange genug Dumas fils hatten spielen sehen, begrüßten den glatten und geistreich geschriebenen »Cyrano« als ein Dokument echt französischer Art. Die immerhin geschmackvolle Sentimentalität des Stückes wirkte auf die Frauen hinreißend. Dem »Cyrano« folgte »L'Aiglon«. Auch dieses Stück gefiel. Es war ein Stück romantischen Napoleonkults und trotzdem absolut unbedenklich. Die Republikaner ergötzten sich an den klangvollen Reimen; alle romantisch angelegten Naturen fanden das oft wiederholte napoleonische Märchen anmutig erneuert. Auf die Entwicklung der französischen Literatur hat Rostand gar keinen Einfluß gehabt; er bleibt aber der begabteste Salondichter von Paris.

R. S.


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