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Anatole France

Anatole France (geb. 1844 zu Paris, lebt ebenda) wird zu den »Ironikern«, den Erben Renans, gerechnet. Man führt sie auch gern auf Stendhal zurück, Ironiker, das sind die Schriftsteller, die einen sehr kultivierten Stil schreiben und so viel Philosophie haben, um selbständig über Menschen und Dinge zu denken. Zu diesen schier unbeteiligten Zuschauern bei den Spielen des Lebens gehört A. France. Er hat viel gelesen, und die späte Latinität kennt er wie keiner. Als Stilist ist er – wie viele der größten bei den Franzosen – Römer, aber nicht Pathetiker, sondern Dialektiker. Er schätzt den klaren, architektonischen Bau eines Romans über alles; er schreibt eine klare, glitzernde Sprache, die sich logisch entwickelt und gemessen beim Punkt anlangt, ohne Sprünge zu machen, ohne in »Poesie« zu verfallen. France schreibt eine rührende und eine freche Geschichte mit derselben Gelassenheit nieder, und die Skepsis wischt über die festen Gestalten den vielartigen Schimmer der Wahrheit, so daß sie menschlich werden. France ist ein großer Geist, seine besten Gestalten tragen den göttlichen Funken des Intellekts in der Brust. Vor lauter Menschlichkeit ist dieser Ironiker Sozialist, begeisterter Parteiführer geworden. Deutsch erschienen von ihm: »Die rote Lilie« (Roman), »Das rote Ei« (Novellen), »Der Gaukler unserer lieben Frau« (Novellen), »Anno zwei« (Novellen), »Komödiantengeschichte« (Roman), »Bienchen« (Ein Märchen) und »Crainquebille«.

R. S.


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