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Gustav Falke

Gustav Falke. Unter jenen Lyrikern der Moderne, die den Widerspruch der Konservativen am wenigsten herausforderten und doch weit über das hergebrachte hinausgingen, ist Gustav Falke (geb. 1853 in Lübeck, lebt in Hamburg) der bedeutendste. Er veröffentlichte vier Sammlungen, die seinen Ruf als Dichter begründeten, »Mynherr der Tod« 1891, »Tanz und Andacht« 1893, »Zwischen zwei Nächten« 1894 und »Neue Fahrt« 1897. Gustav Falke hat eine schlichte, einfache Art, die Dinge zu sehen und Gefühle wiederzugeben, die er dem Volkslied abgelernt und zu einer seltenen Virtuosität entwickelt hat. Die reiche Melodik seiner Verse, die Tiefe und der Reichtum seines Gemütes gaben seiner Kunst das Gepräge. Besonders dort, wo er seine Stimmungen beobachtet und ganz intime Bilder des Webens und Waltens der Natur entwirft, ist er Künstler. Dieser Zug verrät ihn als Schüler des bedeutendsten Naturdichters des vorigen Jahrhunderts, Theodor Storms, dem er auch formell nachgeraten ist durch das musikalische Prinzip seiner Verskunst. Auch Romane hat Falke geschrieben. Interessante Arbeiten sind »Der Mann im Nebel« und die beiden früheren, »Durchschnitt« 1892, »Landen und Stranden« 1895, gewiß, leiden aber an der stellenweise ermüdenden Breite der Schilderung, die, ein Surrogat des Lyrizismus, die guten Seiten der Falkeschen Prosa um ihre Wirkung bringt. Als Humorist und Märchendichter versuchte sich Falke in der kleinen, liebenswürdigen Märchenkomödie »Putz«. Daran reihte sich die Sammlung von Märchen und Satiren, die 1903 unter dem Titel »Aus Muckimacks Reich« erschien, und die Epopöe »Der gestiefelte Kater«.

V. H.


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