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Exl-Bühne: »Die Kreuzelschreiber«

Der langersehnte Anzengruber-Abend zeigte die Exl-Truppe auf der Höhe ihres Könnens. Ach, wenn der arme Anzengruber, der so manchmal seine prächtige Mundart in zweifelhafter Salontirolerverwässerung anhören mußte, das erlebt hätte! Unvergeßlich prägt sich Ludwig Auer ein als alter Brenninger. Wie er dastand, gebeugt, mit zitternden Knien, den Kopf vorgestreckt, beim Zuhören das Gebiß zeigend, eine ungeheure Ratlosigkeit in dem welken Gesicht, das war eine Leistung von fabelhafter Eindringlichkeit, die mit Recht auf offener Szene mit stürmischem Applaus belohnt wurde. Der Steinklopferhannes des Eduard Köck war nicht, wie leider herkömmlich, der schnapsselige Dorfclown, sondern ein sehniger, hagerer Greis, verwittert wie das Gestein um sein Blockhaus, ein primitiver Philosoph, dessen Ernst ein listiges Blinzeln mehr unterstreicht als aufhebt. Dann Ferdinand Exl selbst als Anton Huber, kraftvolle, täppische Männlichkeit, und Anna Exl, schmuck anzusehen und fast zu bewußt: schon beinahe Hoftheater. Und lobend seien noch erwähnt die Mimi Gstöttner als Kellnerin, der protzige Großbauer Ranzenhofers, der rotnasige Atlechner des Julius Pohl und all die jüngeren Herrschaften, die die große Rauferei am Ende des dritten Bildes so stilecht ausführten, daß die Herzen des Parketts für den Fundus der hochlöblichen Exl-Truppe zitterten.

Berliner Volks-Zeitung. 16. Juli 1921


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