Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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154.
Jetzt gar eine Ohnmacht um des armen, zaumlosen Herzens willen.

So sehr hatten diese Neuigkeiten die Weiber der Dorfmeister in Bonnal verwirrt. Eine Weile konnten sie vor Verdruß nicht erzählen, wie es auch ihnen während der Zeit ergangen sei; dann aber fingen sie doch an, daß sie den verdammten Hexenmeister für des Teufels Gewalt hätten in ihre Häuser hineinlassen müssen.

Besonders klagte über dieses Unglück die junge Kalberlederin. Sie hatte bei Jahr und Tag einen gar großen Glauben an den Johann Jakob Christoph Friedrich Hartknopf, den Chorrichter und Ehegaumer in Bonnal, den sie bei Tag und Nacht bei sich im Hause stecken ließ. Diese sagte dann ihrem Manne, sie habe sich dawider verflucht und verschworen, und es jetzt doch tun müssen, und ob ihr das nicht an ihrer Seligkeit schaden könne. Du mußt den Hartknopf darüber fragen, antwortete der Mann. Das will ich auch, sagte die Frau. Ich glaube dir es, erwiderte der Mann; und erzählte ihr dann, daß der Prophet, wie er ihn nannte, an der Gemeinde wegen des gestohlenen Rockfutters erbärmlich zuschanden gemacht worden sei; und setzte hinzu, er wolle ihn mit dem Hunde vom Hause wegjagen, wenn er wieder kommen würde. Aber die Frau fiel ob dieser Erzählung beinahe in Ohnmacht; und ob der Drohung, daß ihr Prophet nicht mehr zum Hause kommen dürfe, vergaß sie vollends, weiter daran zu denken, ob es ihr nicht etwa an der Seligkeit schaden könne, daß sie den Schwur in Hinsicht des Hühnerträgers nicht habe halten können.

Viele andere Weiber fragten auch, und einige gar ängstlich, ob denn mit dem Sonntage gar alles aus sei, und ob der Junker dann weiter nichts nachforsche. Einige von den Hochmütigen erkundigten sich auch, ob sie jetzt den Hühnerträger für einen ehrlichen Mann halten, und alles mit der Weide und der letzten Gemeinde liegen lassen sollten, wie es liege, und wie es der Junker und ein paar Bettelbuben gerne sähen.

Unter den Gemeinen aber war es in vielen Stuben gar lustig. Mehr als ein Dutzend taten Türen und Fenster zu, und verspotteten dann vor ihren Weibern die Herren Vorgesetzten, wie sie den Bettelmann Rigeli und Kompanie hätten um Verzeihung bitten müssen; wie man ihnen einen großen Schelmenbrief vorgelesen habe, und wie sie zu allem »es ist so,« »es ist so« hätten sagen müssen. Der eine habe das Maul verbissen, der andere habe es herabgehängt, der dritte habe gezittert, der vierte mit den Füßen gestampft. Viele tranken auf Arners Gesundheit, und auf die künftigen Jahre, wo sie, wenn der Junker so fortfahre, will's Gott, ruhiger Brot haben würden; und viele Weiber und Kinder weinten Freudentränen ob diesen Erzählungen.


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