Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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59.
Auflösung eines Zweifels.In einem andern Buche würde ich den Abschnitt überschreiben: Die Sorgfalt des Autors gegen kunstrichterliches Bedenken.

Aber daß der Vogt nach dem gestrigen Jammer und nach dem heutigen Schrecken jetzt dennoch so stolz tut, das wundert vielleicht einen einfältigen Frägler; ein gescheiter Landmann merkt es von selbst. Der Hochmut plagt einen nie stärker, als wenn man im Kote steckt. So lange alles gut geht, und niemand in Zweifel zieht, daß man oben am Brette sei, tut niemand so gar dick; wenn aber links und rechts die Schadenfreude ausstreut, es stehe nicht wie vor altem, dann regt sich das Blut, schäumt und wallt auf wie heiße Butter im Kessel. Und das war eben der Fall bei dem Vogt. Also ist es ganz natürlich und auch dem Einfältigsten begreiflich, daß er, da er sich unten an der Schloßhalde vom Schrecken wieder erholt hatte, so stolz habe tun können, als ich gesagt habe. Zudem hatte er diese Nacht auf seine zwei Pulver, und da er wenig getrunken hatte, außerordentlich wohl geschlafen, und heute am Morgen den Kopf von den Schrecken und Sorgen des vorigen Tages ziemlich leer gehabt.

Ich erzähle die Sachen, wie sie geschehen, und wie sie mir zu Ohren gekommen sind; aber ich könnte und möchte bei weitem nicht allemal auf unnütze Fragen so Antwort geben wie jetzt.


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