Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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125.
Die Arbeit Arners.

Aber sie ist nicht allein; auch Arner wandelte die Wege der lieben Sonne, die über der Erde wandelt, um die Wege des Weibes, das ob ihrem Manne und ihren Kindern den Himmel verdient.

Er ritt dieser Tage fast alle Abende auf die Gemeindweide, die er verteilen wollte; er gönnte sich keine Ruhe, bis er dieses Stück Land vollkommen kannte, und ließ sogar seinen lieben Sperzer (Hühnerhund), den er sonst fast allenthalben mitnahm, zu Hause, damit er keinen Augenblick an seiner Arbeit aufgehalten würde. Wohl hundertmal band er sein Pferd an Zäunen und Hecken an, und watete durch Sümpfe und Gräben, um dieses Stück Land von Grund aus kennen zu lernen. Er sah jede Ecke desselben genau an, und dachte an jeder Ecke an das Ganze. Und er tat es nicht vergebens. Er fand am Fuße des Berges, in dem schlechtesten zertretenen Stücke der Weide drei starke Quellen von fettem Wasser. Um alle Quellen herum wuchs Brunnenkresse und Bachbungen; der Herd (die Erde) um die Quellen war schwarzer Moder, und viele dicke und große Pflanzen wuchsen um dieselben. Er maß mit eigenen Händen die Höhe ihrer Lage und die Gründe, auf welche man den Reichtum derselben leiten könnte, und hatte jetzt doppelte Freude. Er hörte nicht auf, alle Abende auf diese Weide zu reiten, bis er vollends mit sich selber ausgemacht hatte, wozu jede Ecke dienlich sei, wie weit die Quellen hinlangen könnten, um mit ihnen gute Wiesengründe anzulegen; was für Land zu gutem Ackerlande übrig bleibe, und welches zu nichts anderem als zu Ried und Holzboden tauglich sei. Er trug dann allemal jeden Tag alles, was er mit sich selber ausgemacht hatte, aufs Papier, bis er seinen Plan auf diese Weise vollendet hatte.


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