Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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145.
Der alte Trümpi bringt eine böse Nachricht.

Indem sie so redeten, kam noch der alte Trümpi, der sein Lebetag immer allenthalben zu spät kam, und brachte die Nachricht: der Vogt und der Weibel spazieren mit dem Michel und dem Hühnerträger hinunter gegen das Dorf, und haben Papier und Tinte und Federn bei sich.

Wie ein Lauffeuer ging diese Nachricht in allen Bänken unter der Linde herum. Von allen Bänken und von allen Ecken rief man dem Trümpi: Was sagst du? was ist das? was sagst du? Vornehmes und Gemeines, alles streckte die Köpfe jetzt nur gegen den Trümpi, und so lange er lebte, hatte er nie den Zehnten so viel zu antworten als jetzt. Es ist nichts anderes, als daß das verfluchte Kuhzählen und Heumessen wieder angeht, sagten die Bauern aus einem Munde; und sie begriffen jetzt, wohin es langen könne, daß sie ihre Aussage wieder hatten bestätigen müssen. Alles war so betroffen, daß ich wohl sagen kann, von dem dicken Bauern hatte kein einziger seine natürliche Farbe mehr, als der dickhäutige Rabser und der kotfarbige Kienast; und auch diesen sah man es am Maul an, daß sie sich entfärbt hätten, wenn sie sich jemals hätten entfärben können.

Wenige Augenblicke darauf kam es dem einen in den Sinn, er habe sein Schnupftuch, dem andern, er habe seinen Tabak vergessen, dem dritten, er habe notwendig mit seiner Frau zu reden, dem vierten, er habe etwas herumliegen lassen, das ihm könnte gestohlen werden; kurz, es kam einer Menge von ihnen in den Sinn, daß sie heimgehen sollten. Der Speckmolch fing sogar an, aus der Nase zu bluten, damit er heim könne.

Aber der Harschier, der in der Lindengasse stand, hieß sie alle wieder zurückgehen, und riet ihnen, Tabak und Schnupftuch bei den Nachbarn zu entlehnen, und diesmal das Nasenbluten bei dem Brunnen unter der Linde zu stillen. Kurz, sie mußten zurück, und auf ihren Bänken erwarten, was der Vogt, der Weibel, der Hühnerträger und der Michel bei ihren Weibern daheim Gutes oder Böses anstellen möchten.


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