Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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86.
Der Pfarrer zeigt abermal sein gutes Herz.

Der gute Pfarrer hatte das kaum gehört, so schlich er sich alsobald von der Gesellschaft weg ins Wirtshaus, und sagte dem Vogt: Um Gottes willen, was ist das mit den drei Talern an Joseph? Du machst dich doppelt unglücklich, wenn du es nicht sagst; denn der Junker ist zornig. Da bekannte der Vogt dem Pfarrer mit Tränen alle Umstände mit Joseph und mit dem Gelde, und der Pfarrer eilte schnell wieder zu Arner, und sagte ihm alles, und wie wehmütig der Vogt es ihm gestanden habe. Er bat auch den Junker noch einmal um Gnade und Barmherzigkeit für den armen Mann.

Sorgen Sie nicht, Herr Pfarrer; Sie werden mich gewiß menschlich und mitleidig finden, sagte Arner.

Er ließ hierauf den Joseph gebunden und gefangen von der Arbeit wegnehmen, und ihn mit dem Wüst und dem Vogt herbeibringen. Der Vogt zitterte wie ein Laub der großblätterigen Espe, und der Wüst schien in stiller Wehmut in sich selbst gekehrt und von Herzen geduldig; der Joseph aber knirschte mit den Zähnen, und sagte zum Vogt: Du Donnersbub, du bist an allem schuldig!

Arner ließ die Gefangenen einen nach dem andern in die untere Stube des Pfarrhauses führen, wo er sie in Gegenwart des Meiers, des Aebi und des Weibels verhörte. Nachdem der Schreiber alle ihre Aussagen von Wort zu Wort niedergeschrieben, und sie den Gefangenen wieder vorgelesen, diese sie auch von neuem wiederholt und bestätigt hatten, ließ er sie alle unter die Linde des Gemeindeplatzes bringen, und befahl, jetzt an die Gemeinde zu läuten.


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