Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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104.
Der Pfarrer stellt Leute zur Kirche hinaus.

Das erste, das der Pfarrer tat, als er auf die Kanzel trat, war, daß er den Befehl Arners vorlas, und sagte: Er muß gehalten sein, und jedermann, der fremd ist, soll ohne anders zur Kirche hinaus gehen. Man sah bald, daß es Ernst war, und nach und nach stand eins nach dem andern auf, und ging nach der Kirchtüre. Einige liefen hinaus, wie wenn man sie jagte; andere gingen sachte und züchtig und sahen nicht umher; andere machten doch noch ihre Reverenz gegen den Herrn Pfarrer, so feuerrot sie vor Zorn im Gesichte waren. Die Vögtin und die Geschwornin von Kilchtal wollten nicht umsonst weggehen, und glaubten, wenn sie sich stille hielten, und unter den Balken des Gewölbes und hinter andern Weibern sich versteckten, so könnten sie bleiben; aber die andern Weiber steckten von allen Seiten die Köpfe nach den armen Versteckten, und schwatzten und lachten weit und breit um sie her, so daß der Pfarrer es merkte, und dem Sigrist sagte, der Befehl gehe die Weiber an wie die Männer, und er solle machen, daß auch diese ihres Weges gehen. So mußten sie endlich auch wie die andern wieder hinaus.


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