Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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85.
Des Junkers Herz gegen seinen fehlenden Vogt.

Indessen kam der jüngere Meier und der Junker sagte zu ihm: Meier, ich bin im Falle, meinen Vogt seiner Stelle zu entsetzen; aber so sehr er sich auch verfehlt hat, bewegen mich doch einige Umstände, daß ich wünsche, ihm, so lange er lebt, noch etwas vom Einkommen seines Dienstes zukommen zu lassen. Du bist ein wohlhabender Mann, Meier, und ich denke, wenn ich dich zum Vogt mache, du lassest dem alten Manne gerne noch jährlich hundert Gulden vom Dienste zufließen.

Meier. Wenn Sie mich zu diesem Dienste tüchtig finden, gnädiger Herr, so will ich mich hierin wie in allem andern nach Ihren Befehlen richten.

Junker. Nun, Meier, so komme morgen zu mir auf Arnburg; ich will dann dieses Geschäft in Ordnung bringen. Jetzt will ich dir nur sagen, du müssest mit meinem Schreiber und mit dem Richter Aebi dem Hummel alle seine Schriften und Rechnungen besiegeln. Ihr habt genau nachzusehen, daß von allen Papieren und Rechnungen nichts unterschlagen werde.

Da gingen der Meier und der Herrschaftsschreiber, nahmen noch den Richter Aebi mit sich, und besiegelten des Vogts Schriften. Die Vögtin aber ging mit einem nassen Schwamm gegen die gekreidete Wandtafel; aber der Meier sah es, hinderte sie, etwas durchzustreichen, und ließ die gekreidete Tafel schnell abschreiben. Der Meier, der Schreiber und der Richter verwunderten sich nun, als sie auf der Tafel fanden: »Samstags den 18. dieses dem Joseph des Lienhards drei Taler an Geld.« Wofür das? fragten der Meier, der Schreiber und Aebi den Vogt und die Vögtin; aber sie wollten es nicht sagen. Da die Männer dann mit der Abschrift der Wandtafel ins Pfarrhaus kamen, verwunderte sich der Junker ebenfalls über diese drei Taler, und fragte die Männer: Wisset ihr, für was das war?

Männer. Es wollte niemand mit einer Antwort herausrücken, da wir fragten.

Junker. Ich will es bald herausbringen. Wenn Flink und der Gefängniswächter kommen, so saget ihnen, sie sollen den Vogt und den Hans Wüst hieher bringen.


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