Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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94.
Der Junker dankt dem Pfarrer.

Der Junker aber antwortete dem Pfarrer: Ich bitte Sie, beschämen Sie mich nicht. Ich gehe so in Einfalt meine Wege, und bin noch jung. Will's Gott, werde ich es noch besser lernen. Mich freut es herzlich, wenn Sie mit meinem Urteile zufrieden sind; aber Sie müssen nicht glauben, daß ich nicht wisse, daß Sie weit mehr getan haben als ich, und daß Ihre Sorgfalt und Ihre Güte alles so in Ordnung gebracht haben, daß mir nichts übrig geblieben ist, als das Urteil zu fällen.

Pfarrer. Gnädiger Herr, Sie gehen zu weit mit Ihrer Güte.

Junker. Nein, Freund, es ist nichts, als was wahr ist, und ich wäre undankbar und unbillig, wenn ich es nicht erkennte. Sie haben mit vieler Mühe und mit vieler Klugheit sich bemüht, meines lieben Großvaters unvorsichtiges Urteil aufzudecken, und seinen Folgen ein Ende zu machen. Es wird den ehrlichen, guten Mann im Himmel freuen, was Sie getan haben, und daß das schlimme Ding endlich wieder gut geworden ist; und gewiß würde er es mir nicht verzeihen, Herr Pfarrer, wenn ich diese Ihre Handlung unbelohnt ließe. Nehmen Sie den kleinen Zehnten, den ich in Ihrem Dorfe verpachtet habe, zum Zeichen meines Dankes an.

Hiemit gab er ihm dann die besiegelte Urkunde, die in den dankvollsten Ausdrücken abgefaßt war, in die Hand.

Therese stand an der Seite Arners, und steckte dem Pfarrer den schönsten Blumenstrauß, der je in einem Pfarrhause gesehen worden war, in seine Hand. Das ist zum Angedenken des besten Großvaters, Herr Pfarrer, sagte sie.

Erst am Morgen darauf aber fand die Frau Pfarrerin, daß der Strauß mit einer Schnur Perlen eingebunden war. Der gute Pfarrer war übernommen, hatte Tränen in den Augen, konnte aber nicht reden.

Junker. Machen Sie keine Worte!

Pfarrer. Ihr Herz wäre eines Fürstentums würdig.

Junker. Beschämen Sie mich nicht, lieber Herr Pfarrer! Seien Sie mein Freund! Hand in Hand wollen wir schlagen, unsere Leute so glücklich zu machen, als wir können. Ich will Sie in Zukunft mehr sehen, Herr Pfarrer; und nicht wahr, Sie kommen auch mehr zu mir. Mein Wagen steht Ihnen zu Diensten. Nehmen Sie ihn doch auch ohne alle Komplimente an, wenn Sie zu mir kommen wollen.


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