Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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74.
Die Nacht betrügt Besoffene und Schelme, die in der Angst sind, am stärksten.

Aber plötzlich erschreckt ihn ein Geräusch. Ein schwarzer Mann hinter dem Gesträuche kömmt auf ihn zu. Um den Mann ist es hell in der finstern Nacht, und Feuer brennt auf des Mannes Kopfe. Das ist der leibhaftige Teufel! sagt der Vogt, flieht, heult entsetzlich, und läßt Karst und Bickel und Schaufel, den Hut und die leere Branntweinflasche zurück.

Es war Christoph, der Hühnerträger von Arnheim, der Eier in Oberhofen, Lunkofen, Hirzau und an andern Orten aufgekauft hatte, und nun auf seinem Heimwege begriffen war. Er trug auf seinem Korbe das Fell von einer schwarzen Ziege, und hatte eine Laterne daran hängen, um den Weg im Finstern zu finden. Dieser Eierträger erkannte die Stimme des fliehenden Vogtes; und da er dachte, daß er gewiß etwas Böses im Sinn habe, ergrimmte er bei sich selber, und sprach: Dem verfluchten Buben will ich es jetzt machen! Er meint, ich sei der Teufel. Schnell stellt er seinen Korb ab, nimmt Karst und Bickel und Schaufel und seinen mit Eisen beschlagenen Botenstock, bindet alles zusammen, schleppt es hinter sich her über den Felsweg hinunter, daß es fürchterlich rasselte, läuft so dem Vogt nach, und ruft mit hohler, heulender Stimme: O! ah! uh! Hummel! o! ah! uh! Du bist mein! Wa–art! Hu–Hummel!

Der arme Vogt läuft, was er vermag, und schreit in seinem Laufen erbärmlich: Mordio und Helfio! Wächter, der Teufel nimmt mich!

Und der Hühnerträger immer hinten nach: O! ah! uh! Vo–ogt! Wa–art! Vo–ogt! du bist mein, Vo–ogt!


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