Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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24.
Ein reines, fröhliches und dankbares Herz.

Vom Kriecher weg kommt der Vogt zu Aebi, dem jüngern. Als dieser hörte, was ihm begegnete, jauchzte er vor Freuden, und sprang auf, wie ein junges Rind am ersten Frühlingstage auf der Weide aufspringt, und sagte zu sich selber: Das will ich jetzt auch meiner Frau sagen, daß sie sich recht freue. Doch ich warte bis morgen; es sind just morgen acht Jahre, daß sie mich nahm. Es wahr Josephstag; ich weiß es noch, wie wenn es gestern gewesen wäre. Wir haben seitdem manche saure, aber auch manche frohe Stunde gehabt. Gott sei Lob und Dank für alles! Aber ja, morgen, sobald sie erwachen wird, will ich es ihr dann sagen. Wär' es doch schon morgen! Es ist mir, ich sehe es jetzt schon, wie sie weinen und lachen wird durcheinander, und wie sie ihre Lieben und mich in ihrer Freude ans Herz drücken wird. Ach, wär' es doch schon morgen! Ich töte das eine Huhn ihr zur Freude, und koche es, ohne daß sie es merkt, in der Suppe; es freut sie dann doch, wenn es sie schon reut. Nein, ich mache mir kein Gewissen daraus; es ist für diese Freude nicht Sünde. Ich tue es, und töte es. Den ganzen Tag bleib' ich daheim, und freue mich mit ihr und mit den Kindern – nein, ich gehe mit ihr zur Kirche und zum Nachtmahl! Jauchzen und freuen wollen wir uns, und dem lieben Gott danken, daß er so gut ist.

So redete der jüngere Aebi in der Freude seines Herzens über des Vogts gute Botschaft mit sich selber, und konnte vor Sehnsucht den Morgen fast nicht erleben, und tat dann, was er eben gesagt hatte.


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