Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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93.
Daß die Armen bei diesem Lustspiele gewinnen.

Einige Bauern. Es ist, bei Gott, wie er gesagt hat; es treffen alle Umstände ein.

Andere Bauern. Was wir auch für Narren waren!

Kunz. Nun, ich habe dem Schurken doch nachlaufen wollen.

Einige Vorgesetzten. Wenn wir nur die Gemeindweide nicht hineingezogen hätten!

Einige der Gemeinen. Hat er euch jetzt mit der Allmend?

Die Reichen. Das ist verflucht!

Die Armen. Das ist gottlob!

Therese. Das Meisterstück ist die Gemeindweide.

Pfarrerin. Alles ist wahrlich ein Meisterstück.

Der Ehegaumer. Möchten die Steine Blut weinen! Unser Glaube ist verloren! Elias, Elias, Feuer vom Himmel!

Die Kinder auf dem Kirchhof. O, ah, uh, du bist mein, Vogt!

Der Pfarrer. So sah ich noch nie ins Volk wirken.

Der Vogt. Träume ich, oder wache ich? Alles war Irrtum, und ich muß unter den Galgen! Und ich kann nicht zürnen; es tobt keine Rache in mir, und ich muß unter den Galgen.

So redete ein jedes im allgemeinen Gemurmel seine Sprache nach seiner Empfindung.

Nach einer Weile stand Arner auf, lächelte gegen die Nachbarn, und sagte: Wie ist es jetzt mit dem heiligen Bettag gegen die fürchterliche Erscheinung des Teufels auf dem Berg? Rechttun und Gott lieben und niemanden fürchten, das ist der einzige alte und wahre Glaube, und euere Erscheinungen und Gespenstergeschichten sind Dummheiten, die euch Kopf und Herz verderben. Nun ist doch endlich die Verteilung eures elenden Weidgangs zustande gekommen, und ihr werdet in kurzen Jahren sehen, wie das euch für Kinder und Kindeskinder so nützlich und so gut ausschlagen wird, und wie ich Ursache hatte, diese Sache so eifrig zu wünschen. Ich habe befohlen, daß man euch einen Trunk auf das Gemeindhaus bringen soll. Trinkt ihn auf mein Wohlsein und auf das Wohlsein eurer vielen Armen, die bei eurer Weidteilung nicht mehr bekommen als ihr andern, aber für die es darum ein Glück ist, weil sie sonst nichts haben. Weiß doch keiner von euch, wie es seinen Kindern und Kindskindern noch gehen wird.

Da entließ Arner die Gemeinde, und rief dann dem Hübelrudi, daß er nach einer Viertelstunde zu ihm ins Pfarrhaus kommen solle. Dann gingen der Junker und der Pfarrer zu den Frauen auf den Kirchhof und von da mit ihnen ins Pfarrhaus.

Der Pfarrer aber lobte Arner für die Weisheit und die Menschlichkeit, mit welcher er an seinen lieben Pfarrkindern gehandelt habe, und sagte zu ihm: Ich werde Sie nie weiter weder um Schonung noch um Mitleiden gegen jemanden bitten; denn Ihr Vaterherz ist wahrlich über meine Bitten und über meine Lehren erhaben.


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