Heinrich Pestalozzi
Lienhard und Gertrud
Heinrich Pestalozzi

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84.
Ein Junker und ein Pfarrer, die beide ein gleich gutes Herz haben, kommen zusammen.

Er sah bald den guten Pfarrer gegen ihn kommen; er lief ihm daher schnell entgegen, und rief ihm zu: Sie hätten sich doch in diesem Wetter nicht bemühen sollen; es ist nicht recht bei Ihren Beschwerden. Dann eilte er heim mit ihm in seine Stube, und erzählte ihm die ganze Geschichte mit dem Hühnerträger. Nachher sagte er: Ich habe ziemlich Geschäfte, Herr Pfarrer; ich will schnell daran, damit wir noch ein paar Stunden ruhig Freude miteinander haben können. Jetzt sandte er auch zu dem jungen Meier, und ließ ihm sagen, daß er zu ihm komme, und sagte zum Pfarrer: Ich will vor allem des Vogts Rechnungen und Bücher versiegeln lassen; denn ich will wissen, mit wem er in Rechnung stehe, und er muß sie mit jedermann vor mir in Ordnung bringen.

Pfarrer. Dadurch, gnädiger Herr, werden Sie einen guten Teil Ihrer Angehörigen sehr nahe kennen lernen.

Junker. Und wie ich hoffe, auch Wege finden, vieler häuslichen Verwirrung in diesem Dorfe ein Ende zu machen, wenn ich bei diesem Anlasse jedermann deutlich und einleuchtend machen kann, wie sich die Leute unwiederbringlich verderben, wenn sie mit solchen Wucherern, wie der Vogt ist, nur um einen Kreuzer anbinden. Es dünkt mich, Herr Pfarrer, die Landesgesetze tun zu wenig, diesem Landesverderben zu steuern.

Pfarrer. Keine Gesetzgebung kann das, gnädiger Herr, aber das Vaterherz eines Herrn.


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