Katharina Elisabetha Goethe
Briefe – Band I
Katharina Elisabetha Goethe

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40. An Großmann

Franckfurth d 4ten Mertz 1779

Lieber Herr Gevatter! Innliegendes ist mir von Weimar aus zugeschickt worden, mit dem bedeuten, daß die Acten bey Gelegenheit nachgeschickt werden solten. Ich hoffe daß meine liebe Frau Gevatterin und alles was Ihnen zugehört sich wohlbefinden wird. Wären Sie noch bey Herrn Seiler; so würde ich mich auf die annährung der Ostermeße viel mehr freuen – aber so gehts in der Welt! alles ding eine weil ein Sprüchwort ist, mein lieber Christ u.s.w. Jetzt gibts nicht morgens um 10 uhr Schachspiel zu vieren – Jetzt sehe ich die goldige Lotte nicht als Milchmädgen mehr – Jetzt ist der spaß mit den kleinen Büßquittger am Ende, es ist doch eine lumpenwirtschafft unter diesem Mond. Aber trost ists doch allemahl wenn die Leute die mann lieb hat noch mit uns von einer Sonne beschienen werden, wenn sie nur nicht gar in die Elisäischen Felder Marschiren, der gute Docter Wagner steht nah dran, ich glaube nicht daß Er noch 3 wochen lebt – Er ist so ausgezehrt, daß nichts als Haut und Knochen an Ihm ist – Ich bedaure Ihn sehr. Leben Sie wohl! und laßen mich von zeit zu zeit immer gute nachrichten von Ihnen und den lieben Ihrigen hören, dieses wird jederzeit sehr vergnügen

Ihre wahre Freundin
C. E. Goethe

N. S. Der Herr Rath grüßt Sie alle besonders aber seine Lotte.


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