Friedrich Hebbel
Gedichte
Friedrich Hebbel

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Memento vivere

            Ich ritt einmal im Dunkeln
    Spät durch ein enges Tal;
Die Nacht war still und traurig,
    Ich still und traurig zumal.

Ich dachte der wenigen Freunde,
    Die ich auf Erden fand,
Ich dachte derer vor allen,
    Die schon bedeckt der Sand.

Da scholl's, wie Geisterstimme,
    Vom düstern Berg herab:
Mensch, freu' dich heut des Lebens,
    Denn morgen geht's ins Grab.

War es ein Hirtenknabe,
    Der jene Worte sang –
Ich weiß es nicht, sie gingen
    Mir durch die Seele bang.

Einst hatt' ich sie vernommen
    Aus eines Bruders Mund,
Da trank er meine Gesundheit,
    Jetzt lag er im kühlen Grund.

 


 


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