Friedrich Hebbel
Gedichte
Friedrich Hebbel

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Leben

                        Seele, die du, unergründlich
    Tief versenkt, dich ätherwärts
Schwingen möchtest und allstündlich
    Dich gehemmt wähnst durch den Schmerz –
An den Taucher, an den stillen,
    Denke, der in finstrer See
Fischt nach eines Höhern Willen:
    Nur vom Atmen kommt sein Weh.

Ist die Perle erst gefunden
    In der öden Wellengruft,
Wird er schnell emporgewunden,
    Daß ihn heilen Licht und Luft;
Was sich lange ihm verhehlte,
    Wird ihm dann auf einmal klar:
Daß, was ihn im Abgrund quälte,
    Eben nur sein Leben war.

 


 


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