Friedrich Hebbel
Gedichte
Friedrich Hebbel

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Reminiszenz

            Millionen öde Jahre
    Lag ich schon in dumpfem Schlaf,
Als aus einem Augenpaare
    Mich der Strahlen erster traf.

Da begann ich, mich zu regen,
    Ich empfand des Werdens Schmerz,
Und mit ungewissen Schlägen
    Setzte sich in mir ein Herz.

In die allerfernste Ferne
    Wich das Augenpaar zurück,
Doch als zwei vereinte Sterne
    Flimmt es noch in meinem Blick.

Nehmt, o nehmt den Funken wieder,
    Der zu euch zurück begehrt!
Fühl' ich's doch, o neigt euch nieder,
    Daß ihr selbst ihn still entbehrt.

Dieses Dämmersein auf Erden,
    Wähnt ihr, es erlischt zu bald?
Ach, der Wunsch, verzehrt zu werden,
    Ist sein einziger Gehalt!

 


 


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