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16. Der Kaufmann, der Edelmann, der Hirt und der Königssohn

Vier, die einst übers Meer gezogen,
Halbnackt entronnen jetzt den Stürmen und den Wogen,
Ein Kaufmann und ein Prinz, ein Hirt, ein Edelmann,
Bettelten, wie mit seinem Knaben
Einst Belisar, die Leute an
In ihrer Not um kleine Gaben.
Erst zu erzählen, wie es sich zusammenfand,
Dies Doppelpaar, so weit getrennt nach Rang und Stand,
Wär' viel zu lang an dieser Stelle.
Die Ärmsten saßen da, geschart um eine Quelle,
Und hielten Rat. Der Prinz legt höchst ausführlich dar,
Die Großen wären stets umgeben von Gefahr.
Der Hirt dagegen meint, man solle doch sein Denken
Jetzt nicht auf das Vergangne lenken;
Nach Kräften sei vielmehr ein jeder drauf bedacht,
Wie man der Not ein Ende macht!
»Kann Klagen« sagt er noch »dem Menschen Rettung bringen?
Nein, nur durch Arbeit wird das Schwerste selbst gelingen.«
Ein Hirt, der also spricht! So spricht? Glaubt ihr, es sei'n
Vom Himmel denn mit Geist nur die gekrönten Köpfe
Und mit Verstand begabt allein,
Und alle Hirten, weil ihr Stand so arm und klein,
Gleich ihren Schafen, dumme Tröpfe?
Der Rat des Hirten schien vortrefflich jetzt den drei'n,
Die an Amerikas Küsten mit ihm verschlagen.
»Ich« meint der Kaufmann »kann's schon mit dem Rechnen wagen,
So viel bringt monatlich der Unterricht mir ein.«
»»Über Staatskunst will ich vortragen,««
Sagt jetzt der Königssohn. Darauf der Edelmann:
»Mir ist Heraldik wohl bekannt, sie will ich lehren.«
Als ob in Indien auch nur einer dann und wann
Dran denken möcht', sich um dies Kauderwelsch zu scheren!
Der Hirt sagt: »Wohl habt ihr gesprochen. Aber was!
Vier Wochen hat der Mond; wollt ihr bis dahin leben,
Ohne zu essen? Könnt ihr das?
Die Hoffnung, die ihr mir gegeben,
Ist schön, doch weit in Sicht. Mich hungert ganz fatal;
Wer sorgt auf morgen denn für unser Mittagsmahl?
Noch mehr: wer von euch leistet eben
Uns heute nur Gewähr für unser Abendbrot?
Das tät uns doch vor allem not!
Ich seh', eu'r Wissen all' und Streben
Langt dafür nimmer aus; ich biet' euch meine Hand.«
Drauf ging der Hirt zum Wald und band
Reisbesen dort, die bringt er zum Verkauf. So lindert
Für ein paar Tag' er doch die Not, und so verhindert
Er, daß die andern drei, vom Hunger übermannt,
Zu üben ihr Talent, gingen ins Schattenland.

Dies Abenteuer lehrt mich denken,
Zum Leben brauche man nicht viel Gelehrsamkeit;
Und daß, dank der Natur Geschenken,
Die Hand uns sichre stets und schnelle Hilfe leiht.


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