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18. Die in ein Weib verwandelte Katze

Vor Liebe war ein Mann vernarrt einst in sein Kätzchen,
Er fand sie niedlich, schön, nannt' sie sein zartes Schätzchen –
Sie miaute, ach, so wundervoll!
Kurz, er war toller noch als toll.
Und dieser Mann – durch Tränen und Gebete,
In denen er zum Himmel flehte,
Durch Zauberei und Hexenkunst
Setzt durch er's bei der Götter Gunst,
Und in ein Mädel ward sein Kätzchen
Verwandelt; und der närr'sche Tor
Liebt sie nun als sein wirklich Schätzchen
Noch rasender denn je zuvor.
Nie hat das zärtlichste der Täubchen
Den Lieblingstauber so gehegt,
Wie dieses neugebackne Weibchen
Ihren verschrobnen Gatten pflegt.
Wie er sie kost! Wie sie ihm schmeichelt!
Wie er ihr Wang' und Busen streichelt!
So daß zuletzt er ganz und gar
Vergißt, das sie – 'ne Katze war.
Da hat ein Mäuschen der Vermählten nur erheuchelt
Und flüchtig Liebesglück auf einmal, ach! gestört.
Die Gattin, wie sie's nagen hört,
Springt auf, doch konnt sie nichts erwischen.
Die Maus ist wieder da, das Weibchen stellt vom Frischen
Sich auf die Lauer – husch! nun gilt's den Fang!
Doch weil verwandelt sie inzwischen,
Macht sie dem Mäuschen gar nicht bang.
Die Jagdlust blieb ihr immer eigen.
Stets wird Natur so stark sich zeigen!
In reifern Jahren trotzt sie jeglichem Versuch:
Ist erst der Ton durchtränkt, hat Falten erst ein Tuch,
Dann, glaubt, ist jede Müh' vergebens
Der Umgestaltung ganz und gar;
Trotz aller Arbeit, allen Strebens
Wird's immer wieder, wie es war.
Such' sie mit Prügeln auszutreiben,
Wird die Natur doch immer bleiben,
Wie sie 'mal ist; und nähmest du
Den größten Stock – 's wird nicht gelingen.
Schlag' vor der Nas' die Tür ihr zu,
Sie wird zurück durchs Fenster dringen.


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