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2. Der irdene und der eiserne Topf

Eisentopf lud einstmals ein
Den von Ton zu einer Reise.
Dieser ging darauf nicht ein,
Denn er meint, es wäre weise,
Blieb' er auf dem Herd zu Haus;
Hielt' er doch so wenig aus,
Daß selbst von dem kleinsten Dinge
Er gar leicht in Stücke ginge
Und als Scherbe käm' zurück.
»Du« sagt er »du hast das Glück:
Du trägst eine Haut von Eisen,
Fest und hart; du hast gut reisen!«
»»Nun, wir nehmen dich in Schutz!««
Spricht der Eisentopf voll Trutz
»»Sollt' zufällig etwas Hartes
Dich bedrohn – mit Ruh erwart' es –
Dann stell' ich mich zwischen euch
Und errette dich sogleich.««
Dieser Antrag schien ihm lockend;
Eisentopf zur Seit' ihm hockend,
Gingen nun im Hinke-Paß
Unsre Wanderer fürbaß.
Aber humpelnd auf drei Beinchen,
Rempelten ohn' Unterlaß
Beide sich beim kleinsten Steinchen.
Dem irdnen Topf ging's schlimm: kaum hundert Schritt' weit trug
Der Fuß ihn, als ihn schon sein Freund in Scherben schlug,
Und er durft' sich nicht beklagen.

Geselle jeder sich zu seinesgleichen bloß;
Sonst läuft er Gefahr, zu tragen
Jenes Topfes traurig Los.


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