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9. Der Wolf und der Storch

Stets frißt der Wolf mit gier'ger Hast.
Ein Wolf hat sich so übernommen
Bei einem Picknick, daß er fast
Dabei ums Leben wär' gekommen:
In seiner Kehle steckt ihm fest ein Knochenstück,
Er konnte nicht mehr schrein; da kommt zu seinem Glück
Ein Storch des Weges just zu gehen.
Er winkt; der naht – ein Weilchen nur,
Und schon kann man als Arzt ihn bei der Arbeit sehen:
Er zieht den Knochen aus. Drauf für gelungne Kur
Sein Honorar gefordert hat er.
»Was? Honorar?« versetzt zur Stund'
Der Wolf »Du spaßest wohl, Gevatter?
Ist's nicht schon viel, daß du gesund
Und heil gerettet hast den Hals aus meinem Schlund?
Geh', Undankbarer, deiner Wege!
Komm nie mir wieder ins Gehege!


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