Christoph von Schmid
190 kleine Erzählungen für die Jugend
Christoph von Schmid

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35. Der Kürbis und die Eichel

Ein Bauersmann lag in dem Schatten einer Eiche und betrachtete eine Kürbisstaude, die an dem nächsten Gartenzaune emporwuchs. Da schüttelte er den Kopf und sagte: Hm, hm! Das gefällt mir nicht, daß die kleine, niedrige Staude eine so große, prächtige Frucht trägt, der große, herrliche Eichbaum aber nur so kleine, armselige Früchte hervorbringt. Wenn ich die Welt erschaffen hätte, so hätte mir der Eichbaum mit lauter großen, goldgelben, zentnerschweren Kürbissen prangen müssen. Das wäre dann eine Pracht zum Ansehen gewesen!

Kaum hatte er dieses gesagt, so fiel hoch von dem Gipfel des Saumes eine Eichel herab und traf ihn so stark auf die Nase, daß sie blutete. O weh! rief jetzt der erschrockene Mann, da habe ich für meine Nasenweisheit einen derben Nasenstüber bekommen, wenn diese Eichel ein Kürbis gewesen wäre, so hätte er mir die Nase ganz zerquetscht.

Mit Weisheit und mit Wohlbedacht
Hat Gott die ganze Welt gemacht.


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