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Buchhorn am Bodensee

219. Graf Ulrich

Graf Ulrich zog mit Helm und Schwert zum heißen Ungarstrauß.
Es kehrt des Kaisers Heer, doch kehrt Graf Ulrich nicht nach Haus.

Ihn traf, so geht's von Mund zu Mund, des wilden Feinds Geschoß;
Er sank und lag zum Tode wund, bis er sein Auge schloß.

Darob zerschlug den schönen Leib die fromme Wendilgard,
Des tapfern Ulrich frommes Weib, nach Büßerinnen Art.

So oft der Todestag erschien, sah man von Tal und Höhn
Heran zu ihr die Armen ziehn und keinen ledig gehn.

Und als nun schon zum viertenmal der Tag gekommen war,
Stand sie zu Buchhorn – ohne Zahl umher der Armen Schar.

Und einer ruft, hervorgedrängt, »o Herrin, ein Gewand!« –
Sie reicht ihm eins, und er umfängt sie hastig, liebentbrannt.

Und hält sie fest mit Ungestüm und herzt und küsset sie.
Sie ruft, indem sie ringt mit ihm: »Ach! wär' mein Ulrich hie!

Denn nimmer litt' er solche Schmach, wie mir der Pilger bot:
Daß mir's geschah, dran merk' ich, ach! daß er wahrhaftig tot!«

Die Diener dräun; doch jener reißt stracks aus sein Haargewand.
Und wie er ihr die Wunde weist, hat sie ihn gleich erkannt.

Denn Ulrich ist's! und wieder scheint die Sonn' auf Buchhorns Au,
Und eine zweite Hochzeit eint fürs Leben Herrn und Frau.

K. Förster.


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