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Kinzigthal

189. Wie das Hornberger Schießen ausging

Als über Hornberg eine Reise
Den Herzog Württembergs einst führte,
Beschloß der Rat, der hochwohlweise,
Nach Stadtgebrauch, wie sich's gebührte,
Mit Läuten und Schießen in festlichem Prangen
Devotest den gnädigsten Herrn zu empfangen.

Ein Fäßlein Weines ward erkoren,
Vom besten, der am Rhein entsproßte,
Daß lustbegrüßt an Hornbergs Toren
Der Herzog solchen Nektar koste;
Auch sollten als treue Gemeindevertreter
Mitbechern des Rates versammelte Väter.

Kaum hat am blauen Maienhimmel
Der Tag sein Glanzpanier erhoben,
Da ziehn sie aus, vom Festgewimmel
Schaufrohen Volkes bunt umwoben,
Die Väter gar stattlich in langen Gewändern,
Die Söhne als Schützen mit Blumen und Bändern.

Den Gang des Festes schön zu regeln
Begann man stracks ein Probeschießen,
Ergötzlich klang's, wie muntres Kegeln,
Wenn Würf' an Würfe dicht sich schließen,
Und stürmischer Jubel des Volkes erschallte
Bei jeglichem Schusse, der donnernd erknallte.

Vergebens harrten sie des Fürsten
Vor Hornbergs Tor wohl manche Stunde,
Der Magistrat hub an zu dürsten,
Daß ihm die Zunge lechzt' im Munde,
Und endlich beschlossen die Herren gar weislich
Vom Weine zu kosten und fanden ihn preislich.

Manch alter Schlucker tat sich gütlich
Beim Trunk, den Scherz und Kosen würzte,
Derweil die Jugend unermüdlich
Mit Schießen sich die Zeit verkürzte;
Und schossen die Söhne stets toller und toller,
So tranken die Väter sich voller und voller.

Als nun mit Wagen und mit Rossen
Der hohe Gast erschien am Ende,
War Witz und Pulver all verschossen,
Versiegt des Fäßleins Ehrenspende;
Nicht Schüsse noch Zinken und Glocken ertönten:
»O Jerum, wer wahrt uns die Huld des Gekrönten!«

Da wälzt sich durch des Volkes Mitte
Weinheitern Blicks ein feister Zecher
Mit schwankem Bürgermeistertritte,
Des Rates Oberhaupt und Sprecher,
Vertrauend der mächtigen Lunge und Zunge
Begann er zum Fürsten in klassischem Schwunge:

»Wie Cäsar einst vor Romas Toren« –
Kaum sprach der Schmerbauch diese Phrase,
Da saust' ihm Schwindel um die Ohren
Und warf ihn jählings auf die Nase.
Die Ratsherrn entflohen, als bräche die Pest aus –
Und also ging das Hornberger Fest aus.

Eduard Brauer.


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