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Schaffhausen

214. Der Zimmergesell

Es war einmal ein Zimmergesell,
War gar ein jung frisch Blut,
Er baut' dem jungen Markgrafen ein Haus,
Sechshundert Schauläden hinaus.

Und als das Haus gebauet war,
Legt' er sich nieder und schlief.
Da kam des jungen Markgrafen sein Weib,
Zum zweiten- und drittenmal rief:

»Steh auf, steh auf, junger Zimmergesell,
Denn es ist an der Stund',
Hast du so wohl ja gebauet das Haus,
So küss' mich an den Mund.« –

»Ach nein, ach nein, Markgräfin fein,
Das wär' uns beiden eine Schand',
Und wenn es der junge Markgraf erführ',
Müßt' ich wohl meiden das Land.«

Und da sie beide zusammen war'n,
Sie meinen, sie wären allein,
Da schlich wohl das älteste Kammerweib her,
Zum Schlüsselloch schaut' sie hinein.

»Ach edler Herr, ach edler Herr,
Groß Wunder, zu dieser Stund'
Da küsset der jung frische Zimmergesell
Die Frau Markgräfin an den Mund.« –

»Und hat er geküsset meine schöne Frau,
Des Todes muß er sein,
Einen Galgen soll er sich selber baun
Zu Schaffhausen draus an dem Rhein.«

Und als der Galgen gebauet war,
Sechshundert Schauläden hinaus,
Von lauter Silber und Edelgestein
Steckt er darauf einen Strauß.

Und als die Frau Markgräfin das vernahm,
Ihrem Knappen rief sie schnell:
»Mein Pferdchen sollst du mir satteln bald
Um den jung frischen Zimmergesell.«

Und als ihr Pferdchen gesattelt war,
Gen Schaffhausen ritt sie schnell:
Da stieg die Leiter eben hinan
Der jung frische Zimmergesell.

»Ihr Herren, käm' die Frau Markgräfin
Vor euer Bettchen zu stehn,
Würdet ihr sie halsen und küssen
Oder würdet sie lassen gehn?«

Sie sprachen: »Träf ich alleine
Die junge Frau Markgräfin an,
Ich wollte sie halsen und küssen
Und wollte sie freundlich umfahn.« –

»Wolltet ihr sie halsen und küssen
Und wolltet sie freundlich umfahn,
So hat auch der jung frische Zimmergesell
So Arges nicht getan.« –

Da sprach der Markgraf selber wohl:
Wir wollen ihn leben lahn;
Ist keiner doch unter uns allen hier,
Der dies nicht hätte getan.«

Was zog er aus der Taschen?
Wohl hundert Goldkronen so rot:
»Geh mir, geh mir aus dem Land hinaus,
Du findest wohl überall Brot.«

Und als er hinausgezogen war,
Da ging er über die Heid',
Da steht wohl des jungen Markgrafen sein Weib
In ihrem schneeweißen Kleid.

Was zog sie aus der Taschen gar schnell?
Viel hundert Dukaten von Gold:
»Nimm's hin, du schöner, du feiner Gesell,
Nimm's hin zu deinem Sold.

Und wenn dir Wein zu sauer ist,
So trinke du Malvasier,
Und wenn mein Mündlein dir süßer ist,
So komm nur wieder zu mir.«

Volkslied.


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