Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Düsseldorf

10. Meister Gruppello

Zu Düsseldorf am Rheine lebt
Ein Bildner hoher Meisterkunst;
Sein Werk und eigne Weise hebt
Ihn bald in seines Fürsten Gunst.
Und auf der Stände hoch Geheiß
Gießt er das Reiterbild in Erz
Des edeln Fürsten, dem so heiß
Und voller Ehrsucht schlägt sein Herz.

Da steht das Bild nun aufgericht
Auf schöngeviertem Marktes Plan,
Und Kurfürst Johann Wilhelm spricht
Aus allen Zügen freundlich an.
Umgeben von der Höflingsschar
Steht vor dem Bild der Fürst und staunt,
Und reicht die Hand dem Künstler dar,
Preist ihn und dankt ihm wohlgelaunt.

Doch das verdrießt die Schranzen all';
Dem neuen Günstling, schlicht und keck,
Bereiten emsig sie den Fall
Und treffen auf den zarten Fleck.
Sie tadeln dies, belächeln das,
Am Pferd besonders hier und dort,
Und weiß man auch nicht eben was,
Der Kurfürst merkt doch Mien' und Wort,

Und spricht zum Meister Gabriel:
»Man tadelt dies und das am Werk,
Ich sag' dir's frei und ohne Hehl.«
Gruppello sagt: »Mir's gerne merk'.«
Und um das Reiterbild alsbald
Zieht weit er eine Plankenwand;
Draus wirbelt Rauch, der Hammer schallt
Geführt von mancher nerv'gen Hand.

Und als ein Mond vorüber war,
Der Hammer ruht, die Planke fällt –
Der Fürst kommt mit der Schranzen Schar:
Die find't nun alles wohl bestellt.
Der Künstler drauf zum Fürsten spricht:
»Ich schlug dem Pferd nicht Bug noch Huf.
Ein Gußbild leid't solch Schlagen nicht –
Ich schlug nur auf der Tadler Ruf.«

W. Smets.


 << zurück weiter >>