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Konstanz

215. Der Fleischer von Konstanz

Wohl wehrt sich die alte, die freie Stadt,
Den herrlichen römischen Namen sie hat,
Und römischen Mut
Und deutsches Blut,
Und Christenglauben:
Den soll ihr der spanische Henker nicht rauben.

Drum kämpfen die Henker vom Turm und vom Tor,
Und drängen zur hallenden Brücke hervor;
Es hört es der Rhein,
Da rauschet er drein,
Es ruft die Söhne
Der See mit der tosenden Wellen Getöne.

Wer streitet am kühnsten für Ehr' und für Heil?
Das ist der Fleischer mit hauendem Beil.
Sonst schlägt er den Stier,
Das brüllende Tier;
Heut' muß er sie schlachten,
Die ihm nach der Metzig, der blutigen, trachten.

Er steht auf der Brücke zuvörderst im Schwarm,
Den Ärmel gestülpet, mit nervichtem Arm,
Und jeder Streich
Schlägt einen bleich;
Da kommen die andern:
Zur Schlachtbank läßt er sie spöttisch wandern.

O weh, ihr Brüder! verlasset ihr ihn!
Es doppelt der Spanischen Heer sich, sie fliehn,
Sie rufen ihn mit.
Doch keinen Schritt
Weicht von der Stelle,
Alle Feinde bekämpft der kühne Geselle.

Vorn einer und hinten da nahet ein Paar,
Die wildesten Knechte der stürmenden Schar,
Sie packen in Eil'
Des Fleischers Beil –
Er ist verloren:
Da denkt er: es soll sie nicht frommen, die Toren!

Zween Arme ja hat er, die fassen die zwei:
Und wollt ihr ein Leben, so opfr' ich euch drei!
Er hält sie umspannt,
Er drängt sie zum Rand,
Er sendet die Blicke
Hinab zu dem schäumenden Rhein von der Brücke.

Und schnell ans Geländer, eh' andere nahn,
Drückt er sie, die Ringenden, kräftig an;
Mit ihnen hinein
Kopfüber zum Rhein,
Mit frohem Schwunge
Sieht man ihn stürzen im tödlichen Sprunge.

Die klagenden Feinde verschlinget die Flut;
Lang' wiegt sie, lang' trägt sie den Bürger gut;
Jetzt zeigt sie den Fuß,
Den Arm wie zum Gruß,
Die Schultern, die blanken,
Das lockige Haupt und den Nacken, den schlanken.

Da sucht ihn das fremde Geschoß, doch der Rhein
Hüllt fromm in den Mantel, den grünen, ihn ein.
Er zieht ihn hinab
Ins festliche Grab:
Dort ruht er geborgen
Vor feindlicher Schmach bis zum ewigen Morgen.

Dort schläft ohne Traum er den süßesten Schlaf,
Er weiß nicht das Los, das die Heimat ihm traf.
Man trügt, man raubt
Ob seinem Haupt
Freiheit und Glauben;
Die Märtyrkrone wird keiner ihm rauben.

G. Schwab.

216. Graf Gero von Montfort

Von Montfort war's der greise Graf,
Gesättigt von dem Leben,
Der sah den blauen See im Schlaf,
Und stille Kähne schweben,
Auf Wasser, Erd' und Himmel Ruh';
Da flog sein Herz dem Frieden zu.

Und als vom Traum er aufgewacht,
Da ruft er seine Knechte,
Hat sie belobt und gut bedacht,
Nimmt Abschied vom Geschlechte,
Verläßt die Herrschaft und das Schloß,
Und zieht zum fernen Strand zu Roß.

Wie nun er an das Ufer trabt,
Hört guten Wind er sausen,
Und trifft am Strand den frommen Abt
Vom heil'gen Petershausen,
Dazu ein Schiff, die Segel voll;
O wie sein Herz von Sehnsucht schwoll!

Sankt Peters Haus, die stille Statt,
Von Wellen leis bespület,
Sein Geist sich ausersehen hat,
Vom Ird'schen abgekühlet:
Dort will er dienen Gott dem Herrn,
Von Lust und Pracht der Erde fern.

Den Abt erquickt der heil'ge Sinn,
Er hebt ins Schiff den Grafen;
Wohl bringt dem Kloster das Gewinn,
Sie stoßen ab vom Hafen;
Schon schwimmt das Schiff auf blauer Flut:
Wie wird dem Grafen da zumut!

Er spricht gerührt: »O wüßtet Ihr,
Herr Abt, was ich empfinde!
Es blickt das Wasser auf zu mir
Wie Mutter nach dem Kinde!
Denn wißt, bei jenes Hornes Riff
Geboren ward ich einst im Schiff.

Und wenn ich in dem Nachen bin,
So sanft geschaukelt liege,
Wird mir wie einem Kind zu Sinn,
Ich ruh' in meiner Wiege;
Die Mutter lispelt in mein Ohr
Und singt ein Schlummerlied mir vor.«

Derweil sie segeln frisch nach vorn,
Da übermannt's den Grafen,
Sie sind nicht ferne mehr vom Horn,
So hebt er an zu schlafen.
Und bei der Ruder gleichem Schlag
Er schlummernd auf dem Schiffe lag.

Und wie das Schiff vorüberzieht,
Dort, wo er ward geboren,
Da tönt das süße Wiegenlied
So hell in seine Ohren.
Er schlug die Augen auf und rief:
»O Mutter, wie so tief ich schlief!«

Er schloß die Augen wieder zu,
Noch tiefer fort zu schlafen.
Steh, Nachen, still, nicht eile du!
Dein Gast ist schon im Hafen;
Der Abt ihm zu den Füßen kniet,
Ihn mit dem letzten Trost versieht.

Bringt ihn zum heil'gen Haus hinab,
Legt in den Chor den Frommen;
Dort rauscht die Flut, die einst ihn gab,
Und die ihn jetzt entnommen;
Im süßen Frieden, frei von Harm,
Ruht er der Welle dort im Arm.

G. Schwab.


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