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Vilich bei Bonn

58. Adelheid von Geldern

Steht bei Bonn am alten Rhein
Ein verfallen Klösterlein,
Das der edle Graf von Geldern
Reich bedacht mit Gut und Feldern,
Seine Tochter Adelheid
Zur Äbtissin eingeweiht.

Das war eine fromme Frau,
War die Frömmst' im ganzen Gau,
Hatte freudig hingegeben
Irdisch Gut und junges Leben
Gott und Frau Cäcilia,
Die sie oft im Traume sah.

Einer Nonne, jung und hold,
Prangend in der Locken Gold,
Wollte kein Gesang gelingen;
Strafe mocht' es nicht erzwingen:
Immer blieb es ein Geschrei
Wie von Teufels Klerisei.

Als sie einst im hohen Lied
Falsche Töne nicht vermied,
Gab die Frau, in Gott verloren,
Einen Schlag ihr an die Ohren,
Daß sie schwer mit Krämpfen rang
Und von Stund' an göttlich sang.

Flehend bitten laßt uns ja
Gott und Frau Cäcilia,
Daß zu unsrer Ohren Labe
Auferstehn aus ihrem Grabe
Die Äbtissin wieder mag,
Schaltend bis zum Jüngsten Tag.

K. S. [Karl Simrock]


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