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Aargau

206. Die Aargauer Lieben

Im Aergäu sind zweu Liebi,
Die hättet enandere gern.

Und der jung Chnab zog zue Chriegi;
Wen chunt er wiedrum hei?

Ufs Johr im andere Summer,
Wenn d'Stüdeli träge Laub.

Und das Johr, und das wäre ume,
Der jung Chnab ist wiedrum hei.

Er zog durs Gässeli ufe,
Wos schön Ann im Fensterli lag.

»Gott grüeß di, du Hübschi, du Fini,
Von Herze gefallsch mer du wol.« –

»Was söll i dir denn noh gfalle?
Ha scho langst en andere Ma.

Ne hübsche und ne riche,
Der mi wol erhalte cha.«

Er zog durs Gässeli abe
Und weinet und truret so sehr.

Da begegnet ihm seinere Frau Mueter:
»Was weinisch und trurisch so sehr?«

»Was sött i nid weinen und trure,
I ha jo keis Schätzeli meh.«

»Wärsch du deheime bliebe,
So hättisch dis Schätzeli noh.«

Volkslied.

207. Die gestörte Hochzeit

Es wollt en Hirt in Wald use tribe,
Er ghört es chleines Chindeli grine:
»I ghöre di wol, i gseh di aber nid,
I weiß nid, wer dis Müeterli ischt.«

»Mis Müeterli wot Hochzit habe,
Darf keis grüenes Chränzeli trage:
Es hat drü chline Kind vergrabe;
Das erst hat es is Wasser trage,
Das ander unter de Mischt vergrabe,
Und mi i grüene Wald use gsteckt,
Mit Laub und Escht mi zuebedeckt.«

Er nahm das Chind wol uf sin Arm,
Gieng wol mit im is Wirtshus abe:
»Gsä Gott, Gsä Gott, ihr Hochzitgescht!«
Di Brut, die saß wol oben am Tisch,
Wil si des Chindes Müeterli isch;
Das Chind wirds sälber zeigen an:
»Ach Mueter, du darfst keis Chränzeli trage,
Du hest drü chleine Chind vergrabe:
Das erst hest du is Wasser trage,
Das ander unter de Mischt vergrabe,
Und mi i grüene Wald use gsteckt,
Mit Laub und Escht mi zuebedeckt.« –

»Und wenns au is, wies Chindli seit,
So schlag der böse Geischt hinein!«

Sobald si das Wort use sprach,
Der böse Find in die Stuben in cham:
»Chum wäg, chum wäg, mi schöni Brut,
Chum wäg, chum wäg vom Tisch ewäg,
Mit mir muescht trinke Schwäbel und Päch!«

Volkslied.


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