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Oggersheim

153. Der Hirt von Oggersheim

Im dreißigjährigen Kriegsgewühl
Nahm sich die Pfalz am Rhein
Ein spanischer Feldherr einst zum Ziel
Und zog mit Scharen ein.
Er ließ, um siegend vorzudringen,
Das Städtchen Oggersheim umringen.

Den Bürgern wurde kalt und heiß,
Bis noch der Trost sich fand,
Daß unentdeckt im ehrnen Kreis
Ein Fluchtweg offen stand.
Da griffen sie geschwind zum Stabe
Und flohn mit Weib und Kind und Habe.

Hans Marsch, der Schafhirt, blieb im Ort
Der Männer ganzer Rest.
Denn Ehehaften hielten dort
Den wackern Burschen fest;
Sein Weib, ein ihm sehr liebes Wesen,
War eines Kindleins erst genesen.

»Sieh zu, was stehet dir bevor?«
Ratschlagte Hans mit sich:
»Das Volk umlagert Wall und Tor
Und tobet fürchterlich.
Doch nur getrost! wie sich's auch stelle,
Es stammt denn doch nicht aus der Hölle!

Tritt mannhaft ihm vors Angesicht
Und sprich ein tapfres Wort!
Das war des Bürgermeisters Pflicht,
Doch lief die Memme fort.
So bist du leicht der Stadt mehr nütze
Als jene ausgewichne Stütze.«

Und zwischen Donnerbüchsen stand
Er plötzlich auf dem Tor,
Schwang mutig mit der rechten Hand
Ein weißes Tuch empor
Und rief fast trotzig: »Hört ihr Degen,
Ich soll mit euch Verhandlung pflegen.

Gelobt ihr Schutz und Sicherheit
Uns allen redlich an,
So wird flugs ohne Widerstreit
Das Tor euch aufgetan.
Doch wollet ihr die Stadt verheeren,
So werden wir uns grimmig wehren.«

Dem Feldherrn ward was jener sprach
Vom Dolmetsch treu erklärt.
Er sann darob nicht lange nach,
Er rief: »Es sei gewährt!«
Und Hans vertrauend diesem Worte
Eröffnete sogleich die Pforte.

Wie staunten jetzt die Spanier
Auf ihres Einzugs Bahn,
Als sie das Städtchen um sich her
Wie ausgestorben sahn!
»Wo?« fragten sie, »wo sind die andern,
Die sonst durch diese Gassen wandern?«

»Sie flohn!« versetzte Hans. »Nur mir
Hing eine Kett' am Fuß,
Weil ich heut' oder morgen hier
Kindtaufe geben muß.
Doch dürft ihr drum nicht feindlich schalten,
Was ihr versprochen, müßt ihr halten!«

»Ei!« rief der Feldherr, »ei, wie hat
Der Schalk uns angeführt!
Doch fruchten soll's der ganzen Stadt,
Was seinem Mut gebührt.«
Drum herrscht' er wie ein Freund gelinde
Und stand Gevatter bei dem Kinde.

Langbein.


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