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Kaub

Kaub und die Pfalz

96. St. Theonest

Ihr Männer Kaubs, warum vergeßt
Ihr eures Heil'gen, Theonest?
O säht ihr euer altes Siegel,
Da treibt er auf des Rheines Spiegel
In jener Kufe sanft hinab,
Die Kaub erst einen Namen gab.

In Mainz gemartert bis zum Tod,
Besargt in lecker Kufe Boot,
So wiegen ihn die blauen Fluten
Und wecken neue Lebensgluten.
Er fühlt sich heil, das Wasser dringt
Nicht ein zu ihm, der euer bringt.

Der Salm umhüpft den seltnen Kahn,
Ihn lachen alle Hügel an,
Das Rheingau grüßt mit freud'gem Rufe
Den heiligen Mann und seine Kufe;
Aufjubelnd rauscht der Niederwald,
Im Nahtal jauchzt ihm jung und alt.

Nun schnellt er durch das Binger Loch.
Der Rheinstein denkt: o kam' er doch!
Gefiel' es ihm bei uns zu hausen!
Erseufzen Lorch und Trechdingshausen;
Erwählt' er unser warmes Tal,
Ruft Bacharach und Steg zumal.

Ihr alle haltet ihn nicht fest,
In Kaub erst landet Theonest:
Er pflanzte mit dem Christenglauben
In Kaub die ersten süßen Trauben.
In seiner Kufe preßt' er sie:
Ihr Kauber, das vergeßt ihm nie.

Wann feiern wir St. Theonest?
In den Oktober fällt sein Fest,
Wenn aus der Kufe Todesbanden
Der junge Wein ist auferstanden.
Ja, wenn ihr um die Kelter tanzt,
Dann denket des, der ihn gepflanzt.

K. S. [Karl Simrock]


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