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Düsseldorf

136. Schelm von Bergen

Im Schloß zu Düsseldorf am Rhein
Wird Mummenschanz gehalten,
Da flammen die Kerzen, da rauscht die Musik,
Da tanzen die bunten Gestalten.

Da tanzt die junge Herzogin,
Sie lacht laut auf beständig:
Ihr Tänzer ist ein schlanker Fant,
Gar höflich und behändig.

Er trägt eine Maske von schwarzem Samt,
Draus blitzt hervor mit Freude
Ein Auge wie ein blanker Dolch
Gezogen halb aus der Scheide.

Es jubelt die Fastnachtsgeckenschar,
Wenn beide vorüberwalzen,
Der Drickes und die Marizebill
Grüßen mit Schnarren und Schnalzen.

Trompeten blasen, Schnedderengdengdeng!
Der närrische Brummbaß brummet!
Bis endlich der Tanz ein Ende nimmt
Und die Musik verstummet.

»Durchlauchtigste Frau! gebt Urlaub mir,
Ich muß nach Hause gehen –«
Die Herzogin lacht: »Ich lass' dich nicht fort
Bevor ich dein Antlitz gesehen!«

»Durchlauchtigste Frau! gebt Urlaub mir,
Mein Weilen bringt Schrecken und Grauen –«
Die Herzogin spricht: »Ich fürchte mich nicht,
Ich muß dein Antlitz schauen.«

Wohl sträubt sich der Mann, doch will das Weib
Von keiner Entschuldigung wissen;
Sie hat ihm endlich mit Gewalt
Die Maske vom Antlitz gerissen.

»Das ist der Scharfrichter von Bergen!« schreit auf
Die Menge, die angstvoll weichet;
Die Herzogin schwankt auf ihren Stuhl,
Sie ist wie Kreide erbleichet.

Der Herzog war ein kluger Herr,
Er tilgte auf der Stelle
Der Gattin Schmach. Er zog sein Schwert
Und rief: »Knie nieder, Geselle!

Ich schlag' dich zum Ritter, und weil du ein Schelm,
So nenn' ich dich Schelm von Bergen!«
Lang blühte am Rhein dies edle Geschlecht;
Jetzt ruht es in steinernen Särgen.

H. Heine.


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