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Philippsburg

163. Der Rekrut auf Philippsburg

Vor Philippsburg der Franzmann lag,
Die Reichsarmee darinnen,
Die Feinde meinten Tag für Tag
Die Festung zu gewinnen.
Viel Bomben flogen hin und her,
Und platzten sie, so kracht' es sehr:
Das mußte man gewohnen.

Da stand beim Sturm einst ein Rekrut
Abseits auf seinem Posten;
Er dacht' in seinem dummen Mut:
»Hier wird's den Hals nicht kosten.
Der d'Asfeld greift dort hinten an;
Hier kann ich ruhig Schildwacht stahn.«
Ist aber anders kommen.

Denn just ersahn den schwachen Fleck
Der Franzen sich ein Dutzend
Und richteten die Leiter keck
Auf ihre Menge trutzend.
Sie meinten sich schon oben drauf
Und klommen sacht' den Rempart auf,
Der eine hinterm andern.

»Ei sieh, ein schwarz geschnauzt Gesicht
Da drüben auf der Mauer;
Und galt mir diese Kugel nicht?
Willst du hinab, du Lauer!«
Doch weil von selber der nicht ging,
So wies er mit der Degenkling'
Ihn höflich in den Graben.

Nun, dacht' er, wird wohl Fried' im Land,
Ging ruhig auf und nieder,
Doch plötzlich vor der Brüstung stand
Der schwarze Schnauzbart wieder:
»Bist du noch einmal da, du Fratz?
Und hast noch Pulver? Platz, mach Platz!
Nun aber kommst du nimmer!

Da hatt' er doch zu viel gesagt,
Denn vor der Mauer kauzte
Schon wieder, den er zwier verjagt,
Der leid'ge Schwarzgeschnauzte.
»Ei du verwetterter Franzos,
Wann werd' ich dich wohl einmal los?
Da lieg und komm mir wieder!«

So ging es noch zum viertemnal,
Zum fünften und so weiter:
Er stieß die volle Dutzendzahl
Den Franzmann von der Leiter.
Doch endlich als die Stunde schlug,
Löst' ihn der Weibel ab und frug:
Ist nichts zu rapportieren?

»Ja doch, hier hat mir eingeheizt
Ein schwarzer Bärenhäuter,
Ich hab' ihm oft den Kopf gebeizt,
Doch ward er nicht gescheuter.
Wohl zwölfmal hat er angesetzt,
Doch still im Graben liegt er jetzt.«
Da lagen aber zwölfe.

Man frug beim Kommandanten an,
»Was soll er Stechgeld haben?
Nur einen hat er abgetan;
Doch liegen zwölf im Graben.«
Da lachte der, das war sein Glück,
Und ließ ihm ein Halbguldenstück
Für jeden Schnauzbart reichen.

K. S. [Karl Simrock]


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