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Frankenthal

151. Lindenschmidt

Es ist nicht lange, daß es geschah,
Daß man den Lindenschmidt reiten sah
Auf einem hohen Rosse.
Er reitet den Rheinstrom auf und ab;
Er hat's gar wohl genossen.

»Frisch her, ihr lieben Gesellen mein!
Es muß jetzt nur gewaget sein,
Wagen das tut gewinnen,
Wir wollen reiten Tag und Nacht,
Bis wir die Beute gewinnen.«

Dem Markgrafen von Baden kam neue Mär',
Wie man ihm ins Geleit gefallen wär',
Das tat ihn sehr verdrießen.
Wie bald er Junker Kasparn schrieb:
Er sollt ihm ein Reislein dienen.

Junker Kaspar zog 'm Bäu'rlein ein' Kappen an,
Er schickt ihn allzeit vorne dran
Wohl auf die freie Straßen,
Ob er den edeln Lindenschmidt fänd':
Denselben sollt' er verraten.

Das Bäuerlein schiffet über den Rhein,
Er kehrt zu Frankenthal ins Wirtshaus ein.
»Wirt, haben wir nichts zu essen?
Es kommen drei Wagen, sind wohl beladen,
Von Frankfurt aus der Messen.«

Der Wirt der sprach dem Bäuerlein zu:
»Ja, Wein und Brot hab' ich genug!
Im Stalle da stehen drei Rosse,
Die sind des edeln Lindenschmidts,
Er nährt sich auf freier Straßen.«

Das Bäuerlein gedacht' in seinem Mut,
Die Sache wird noch werden gut,
Den Feind hab' ich vernommen.
Alsbald er Junker Kaspar schrieb,
Daß er sollt' eilends kommen.

Der Lindenschmidt hätt' einen Sohn,
Der sollt' den Rossen das Futter tun,
Den Haber tät er schwingen:
»Steht auf, herzlieber Vater mein!
Ich hör' die Harnische klingen!«

Der Lindenschmidt lag hinterm Tisch und schlief,
Der Sohn der tät so manchen Rief,
Der Schlaf hatt' ihn bezwungen:
»Steht auf, herzliebster Vater mein!
Der Verräter ist schon gekommen.«

Junker Kaspar zu der Stuben eintrat,
Der Lindenschmidt von Herzen sehr erschrak:
»Lindenschmidt, gib dich gefangen!
Zu Baden an dem Galgen hoch,
Daran sollst du bald hangen.«

Der Lindenschmidt war ein freier Rittersmann,
Wie bald er zu der Klingen sprang:
»Wir wollen erst ritterlich fechten!«
Es waren der Bluthund' allzuviel,
Sie schlugen ihn zu der Erden.

»Kann und mag es denn nicht anders sein,
So bitt' ich um den liebsten Sohne mein,
Auch um meinen Reitersjungen:
Haben sie jemanden Leids getan,
Dazu hab' ich sie gezwungen.«

Junker Kaspar, der sprach nein dazu:
»Das Kalb muß entgelten der Kuh,
Es soll dir nicht gelingen:
Zu Baden in der werten Stadt
Muß ihm sein Haupt abspringen.«

Sie wurden alle drei nach Baden gebracht,
Sie saßen nicht länger als eine Nacht;
Wohl zu derselben Stunde,
Da ward der Lindenschmidt gericht't,
Sein Sohn und Reitersjunge.

Volkslied.


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