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Morschweiler im Elsaß

187. Drei Ähren

Aus der Klosterkirche schleichet bangen Tritts ein bleicher Mann,
Seine Haare sträuben wild sich – ach, daß er nicht beten kann!
Hat mit frevelhaften Sinnen frech geraubt das höchste Gut,
Und ihn treibet das Verbrechen und es starret ihm das Blut.

Also zieht er fluchend fürder, kaum daß noch sein Stab ihn hält,
Bebend greift er nach der Hostie, wirft sie scheu ins Ährenfeld.
An drei Halmen bleibt sie hangen – Bienlein flogen schnell herbei,
Bauen emsig drum die Waben, summen sanfte Melodei.

Aus den süßen Brombeersträuchen ziehn sie frischen Honigsaft,
Können gar nicht ruhn und rasten, fühlen schon die Himmelskraft.
Und allnächtlich schweben Klänge leise flüsternd um den Ort,
Blumen öffnen sich und lauschen, Lüftchen trägt die Klänge fort.

Und die Wandrer, die vom Tale still betreten jene Höhn,
Fühlen mild ihr Herz erschlossen, Himmelswonnen sie umwehn.
Betend wallt herauf ein Priester, weihet die beglückte Stelle,
Bald umschließet die drei Ähren eine heilige Kapelle.

Fromme Einfalt trägt das Wunder weithin über Tal und Höhn,
Manch ein Waller aus der Ferne naht mit heißem, stillem Flehn.
Freundlich schaut das Kirchlein nieder, die drei Ähren jetzt genannt,
Streuet reichen Erntesegen auf das schöne Alsaland.

Aug. Stöber.


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