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Spanheim

115. Die Gründung von Spanheim

»Herr Graf von Vianden, ich mußt' Euch versagen,
Ihr habt mir den nahen Verwandten erschlagen.
Zur Buße nun zieht Ihr ins Heilige Land:
So bringt mir vom Willen des Himmels ein Pfand.

Viel Schätze des Glaubens sind dort zu erwerben,
Und wär' es ein Span nur, ein Nagel, ein Scherben.
Ja, kehrt Ihr gewürdigt so köstlichen Guts,
So bin ich die Eure gar willigen Muts.«

Die Gräfin des Nahgaus hat es gesprochen,
Frau Hedwig: wie fühlt er's im Busen sich pochen!
Da fuhr er erfreut mit der reisigen Schar
Und focht mit den Feinden des Heils wohl ein Jahr.

Nun ruhten die Waffen, da griff er zum Stabe
Und zog als ein Pilger zum Heiligen Grabe.
Da bietet ein Jude zu kaufen ihm an
Vom Kreuze des Herrn den gediegenen Span.

Da ließ er den besten der Schmiede sich gießen
Die goldene Truhe, den Schatz zu verschließen;
Der Name der Gräfin erglänzte darauf:
So segelt er heim mit beschleunigtem Lauf.

Doch wehe, wie türmen sich zornig die Wellen,
An lauernder Klippe das Schiff zu zerschellen.
Doch hält er sich oben im Wogengebraus
Und brachte das Leben, das nackte, nach Haus.

»Frau Gräfin, mir ließ es der Herr nicht gelingen:
Ich hofft' Euch in goldener Truhe zu bringen
Vom Kreuze des Heils ein gediegenes Stück:
Das schlangen die Wellen und schlangen mein Glück.«

»Und war auf der Truhe mein Name geschrieben?«
Ja, Herrin, aus flüssigem Golde getrieben.
»So schauet, Herr Graf, ist wohl dieses die Truh'?«
Sie ist's, doch gehöret ein Wunder dazu.

»Wohl hat uns der Himmel ein Zeichen gesendet,
Ich wußte nicht, wer mir die Gabe gespendet.
Es hat sie ein Jüngling dem Pförtner gebracht
Erst heut' in der Frühe, und freundlich gelacht.

Nun darf ich, mein Graf, Euch nicht länger versagen,
Der Himmel gebietet's, wie könnt' ich noch fragen?
Bei mancherlei Heiltum ist Zweifel erlaubt;
Dies hat uns ein sichtliches Wunder beglaubt.«

Sie ließen ein herrliches Schloß sich erheben
Und bauten dem Himmel die Kirche daneben.
Weit ward ihr Geschlecht in den Landen bekannt,
Vom Span in der Truh' ist es Spanheim genannt.

K. S. [Karl Simrock]


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