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Baden an der Limmat

213. Der Stein zu Baden

Dort über den Gestaden ragt ein zerstörtes Schloß:
Das ist der Stein von Baden, der längst in Trümmer schoß.
Der alte Rebenhügel, die Mauern alt und grau,
Sie stellen sich im Spiegel der nahen Flut zur Schau.

Es sieht so ernst und düster, recht wie die Wehmut aus;
Ein schauriges Geflüster zieht durch das offne Haus,
Bald lauter und bald leiser, vom Strom oft übertäubt:
Ist's wohl der alte Kaiser, der dort sein Wesen treibt?

Wohl schleicht die böse Sage um dieses Hügels Rund,
Und tut der ernsten Frage die ernste Antwort kund:
Es ward in hellen Nächten ein Ritter oft gesehn,
Das Schwert in ehrner Rechten, durch diese Hallen gehn.

In rabenschwarzer Rüstung erschein' er allemal
Und blicke von der Brüstung herab ins Limmattal;
Sein Kommen deute Schlimmes, sein Angesicht sei fahl,
Sein Blick voll starren Grimmes, sein Haupt entblößt und kahl.

Dann steig' er auf den Zwinger und recke stolz die Hand
Und drohe mit dem Finger hinunter in das Land.
Doch plötzlich schlagen Flammen um die Gestalt empor;
Sie rinne still zusammen und – alles sei wie vor.

Fahr wohl, du irrer Schatten! dir sei mein Dank gezollt!
Uns ging's so wohl vonstatten, nur weil du's nicht gewollt:
Du wecktest unsre Stärke durch deinen stolzen Sinn
Und deine bösen Werke, sie brachten uns Gewinn.

Und du, versunkne Halle, wo noch die letzte Nacht
Vor seinem herben Falle der Kaiser zugebracht:
Mich mahnt's von jener Schwelle, an der du dich begräbst:
O Mensch, dein Haus bestelle, wer weiß wie lang du lebst.

J. J. Reithard.


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