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Aarmündungen

210. Der Alte von Viligen

Auf des Geißbergs Felsenschanze
Ragt Gemäur aus grünem Kranze.
Fährst du auf der Aare Wellen,
Wo sich Reuß und Linth gesellen,
Nieder zu dem nahen Rhein,
Spricht der Fähr auf deine Fragen
Nach den Sagen
Von demselben alten Stein:
»Aufgebaut und abgerissen,
Das ist alles was wir wissen!«

Aufgebaut und abgerissen
Sagt auch der Geschichte Wissen.
Von Viligen hieß der Alte,
Der dort eine wohlgestalte,
Frohgemute Burg erhob;
Beßres Bauwerk war in Gauen
Nicht zu schauen,
Besserstein nennt er es drob.
Auch den Weg hat er gegründet,
Der noch um den Berg sich ründet.

Einzuweihn die Burg des Besten
Ruft den Söhnen er und Gästen;
Und es freut ihn da, zu zeigen
Auf die Tale, die sein eigen,
Und die ihn zum Hort erkorn,
Und noch mehr in all die weiten
Herrlichkeiten
Von dem Rhein zum Wetterhorn.
»Selig,« sagt er, »der mit Milde
Schirmt und segnet die Gefilde!«

Torheit ist dies Wort den Söhnen;
»Ja,« entgegnen sie mit Höhnen,
»Diesen Bau, wir wolln ihn loben:
Mag das Volk da unten toben,
Ihn ersteigt nicht die Gefahr.
Und hier zeigt sich in der Weite
Jede Beute:
Und hinunter stürzt der Aar!
Herd' und Hirten wolln wir jagen
Und was tragen Schiff und Wagen!«

Doch der Vater spricht: »Die Feste
Baut' ich nicht zum Räuberneste!«
Statt zu sitzen nun zum Mahle,
Ruft er seinem Volk im Tale:
»Reißt den künft'gen Zwinger ein!«
Zweimal braucht' er's nicht zu sagen,
Abgetragen
Und zerschlagen ward der Stein;
Nur die Maur dort hat gehalten,
Jetzt der Denkstein jenes Alten.

Abraham Emanuel Fröhlich.


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