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Rüdesheim

108. St. Nikolaus

Zu Rüdesheim an Brömsers Burg, da steht ein steinern Haus,
Und drin ein wunderwirkend Bild des heil'gen Nikolaus,

Ein Schiffer kniet davor und fleht: »Laß Gnade mir geschehn,
Mich und mein Schifflein unversehrt durchs Loch zu Bingen gehn.

Und wenn du, heil'ger Nikolaus, mich des gewährest hast,
Eine Kerze stift' ich deinem Haus wie meines Schiffes Mast.«

Der Heil'ge nickt Erhörung zu und pfeilschnell fliegt das Schiff
Auf glatten Wellen unversehrt übers lauernde Felsenriff.

Da sprach der Schiffer und lachte derb: »Die Gefahr ist nicht so groß,
Ich sehe wohl, mich beißen nicht die Fisch' im Wellenschoß.

»Und du, habsücht'ger Heil'ger du, will ewig sein verdammt,
Wenn nur ein Stümpfchen, fingersgroß, vor deinem Bilde flammt.«

Das Wort ist gesprochen, da kracht das Schiff, das Wasser schießt herein,
Die Fische beißen den Schiffersmann; längst bleichte sein Gebein.


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