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Mainau

217. Die Maid von Bodmann

Es schwillet aus den Wellen
Die grüne Maienau,
Dort sitzt bei dem Gesellen
Eine reine, süße Frau;
Von Bodmann ist's die treue Magd,
Ihr Herz, ihr Blüteneiland,
Hat sie ihm zugesagt.

»Ruh' aus in meiner Laube
Und singe Lieder mir,
Der Apfel und die Traube,
Sie blühn, sie reifen dir!«
Da sprach Herr Hug von Langenstein,
Und sprang empor vom Rasen:
»Nicht also soll es sein!«

»Mir ist ein Bote kommen:
Der alte Vater, gern
Das Kreuz hätt' er genommen,
Gehorcht dem Lehensherrn;
So ist er krank und altersmatt:
Den Sohn in frischer Jugend
Schickt er an seiner Statt.«

Nicht traurig soll der Wille
Des Vaters sein getan;
Die Maid weint in der Stille,
Er schaut sie brünstig an:
»Ich kehre heim, du süße Braut!
Vertrau dem Christ im Himmel
Und bleib mir hold und traut!«

Er schwingt sich in den Nachen,
Die Flut trägt ihn davon,
Den Vater gut, den schwachen,
Vertritt der starke Sohn.
Der Gram um seine treue Maid,
Er wird zu grimmen Streichen,
Davon erliegt der Heid'.

In Beten und in Sehnen
Die Jungfrau harrt im Haus,
Bis bei den Sarazenen
Der lange Streit ist aus.
Es kehret heim der Kämpfer Schar,
Sie schaut hinaus nach einem,
Den wird sie nicht gewahr.

Der Herbstwind rauscht im Laube,
Der Apfel fällt vom Baum,
Es reift die dunkle Traube:
War alles denn ein Traum?
Und endlich saust der Wintersturm:
Herr Hug, er liegt gefangen
Und wund im Heidenturm.

Da hat der Jungfrau Hoffen
Recht wie ein Donnerstrahl
Die böse Kunde troffen:
Sie sitzet stumm im Saal.
Es kam der Freier Schwarm herbei:
Die Hoffnung ist gestorben:
So lebet noch die Treu'! –

Die Hoffnung ist gestorben,
So lebet noch die Treu',
Ob auch im Turm verdorben
Des Ritters Jugend sei;
Man beut ihm Freiheit, Gold und Ehr',
Wenn er vom Glauben lässet:
Das tät' er nimmermehr.

Von Jahr zu Jahr sie trauern,
Sie sinken flehnd aufs Knie,
Er in den schwarzen Mauern,
Auf grünem Eiland sie,
Bis daß in einer Frühlingsnacht
Das Wort des Herrn im Traume
Ward vor sein Ohr gebracht.

Der Engel sprach zum Ritter:
Auf, opfre dich dem Herrn,
So springt dein Kerkergitter,
So leitet dich sein Stern!«
Der Ritter denkt der süßen Fraun:
Die Minne soll er opfern;
Doch ach, er darf sie schaun!

Und einem Ritterorden
Gelobt er sich im Traum; –
Sieh da, erfüllt ist worden
Was schien unmöglich kaum.
Denn als er von dem Schlaf erwacht,
Das Kerkertor steht offen
In sternenheller Nacht.

Er pflegt' in jungen Jahren
Der Sterne Wissenschaft,
So zieht er, wohlerfahren,
Gott stärket seine Kraft:
Er führt ihn durch den heißen Sand
Und unter wilden Völkern
Bis an des Meeres Strand.

Durch Sturm und Felsenriffe
Bringt schnell und sicher ihn
Auf einem Christenschiffe
Der Herr zur Heimat hin.
Bald unter deutschem Blütenschnee
Steht er am alten Ufer
Und rudert durch den See.

Und aus den Wellenschäumen,
Erfrischt vom Morgentau,
Mit Reben, Wiesen, Bäumen
Winkt grün die Maienau;
Und eine selige Gestalt,
Die Arm' entgegenbreitend,
Ruft ihn mit Allgewalt.

Da wird sein Auge trüber,
Sein Haupt fällt auf die Brust,
Er lenkt den Kahn hinüber
Von Liebe weg und Lust.
Im Walde vor dem Landkomtur
Steht er: im deutschen Orden
Will Gott er dienen nur.

Und einen Freund er sendet
Zur grünen Maienau,
Den letzten Gruß er spendet
Der herzgeliebten Frau.
Da losch die Hochzeitsfackel aus,
Die ihr im Geist entglommen,
Und starb in Nacht und Graus.

Und als aus tiefem Leide
Sie wieder hob den Blick,
Da glänzt' im Blumenkleide
Das Eiland wie im Glück;
Da goß ein Rebenblütenduft
So süß Erinnrungsträume
Durch die gewürzte Luft.

Jetzt kam, was Ruhe bringet
Ihr vor die Seele hell,
Die Flut, die sie umringet,
Zerteilt ihr Nachen schnell:
Es geht die schöne blasse Maid
Durch ferne Lande schweigend,
Im Blick der Liebe Leid.

Bald wird ihr Auge dreister
Und kecker wird ihr Schritt,
Und vor des Ordens Meister,
Den obersten, sie tritt.
Sie sprach: »Nehmt hin, was noch ist mein,
Zu Gottes Eigentume,
Ein reiches Inselein!

Es scheinet warm die Sonne
Und pflegt die Rebe drauf,
Und Früchte glühn in Wonne
Und Saaten gehen auf.
Doch eines, eines bitt' ich nur:
Herr Langenstein, der Ritter,
Der werde dort Komtur!«

Der Meister ihr gewähret
Die fromme Bitte gern;
Da war ihr Wunsch erhöret:
Wie dankte sie dem Herrn!
Da schied sie, Tränen in dem Blick,
Da glänzet hell im Herzen
Zugleich des Liebsten Glück.

So sind doch ihm die Reben,
Die Felder ihm gebaut!
Ihn wird die Laub' umweben,
Die mich und ihn geschaut!
Und wo zusammen wir gefleht,
Ach, in der Burgkapelle,
Da tönt doch sein Gebet!«

Wohin die Maid geflüchtet,
Wo sie verweint die Zeit,
Das hat kein Mund berichtet,
Begraben ist ihr Leid;
Doch in dem neuen Ordenshaus,
Da tönte durch die Wellen
Ein ernster Sang hinaus:

»O Gottesminne, hehre,
Du hast gelenkt mein Schiff
Auf sturmbewegtem Meere
Vorbei am Felsenriff.
Doch sanfte Still' und wahre Ruh',
Die hab' ich nie genossen;
Wann deckt das Grab mich zu?«

G. Schwab


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