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Hammerstein

75. Das salische Blut

Da droben saß auf Hammerstein
Das schönste Paar am ganzen Rhein.

Doch aus verjährtem Hasse grollt
Von Mainz ihm Bischof Erkenbold.

Er sprach: »Vernimm der Kirche Schluß:
Dir ziemt nicht deiner Muhme Kuß.

Zu nahe Sippe wehrt dem Band:
Nun trennt euch oder seid gebannt.«

Graf Otto spricht: »Was Gott vereint,
Das soll nicht scheiden Freund noch Feind.

Der Himmel segnet unsern Bund,
Lebend'ge Zeugen tun es kund.

Der Mainzer neidet uns den Kuß,
Der Kuß und Liebe meiden muß.

Komm, küsse mich, lieb Mühmchen schön,
Wir trotzen ihm von diesen Höhn.

Und trennt uns beide salisch Blut,
So fließ' es für das höchste Gut.«

Der Bischof schleudert Acht und Bann
Und zieht des Kaisers Macht heran.

Und bei dem ersten Sturm aufs Schloß
Getroffen sank der Gras vom Roß.

Beim andern ward die Gräfin wund,
Beim dritten beide wieder gesund.

Und daß der Feind geworfen ward,
Das schuf zumeist Frau Irmengard.

Da sprach der Kaiser Heinz: »Fürwahr,
Wir lägen hier noch tausend Jahr.

Das röm'sche Reich hat nicht die Kraft
Zu lösen solcher Liebe Haft.

Herr Bischof, sänftet Euern Mut,
Vergossen ist hier salisch Blut.

Was ihnen blieb ist unverwandt,
Die Sippe wehrt nicht mehr dem Band.

Und mögt Ihr noch so finster schaun,
Ihr sollt nun selbst das Pärchen traun.

Ich aber will Brautführer sein.«
Da gab's ein Fest auf Hammerstein!

K. S. [Karl Simrock]


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