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Odenwald

152. Deutschlands Wächter

»Mein Vaterland, du bist meine Lust,
Mein Lieb, das ich ewig umfange,
Dir schwillet mein Arm, dir glüht meine Brust,
Dich fei'r ich im brausenden Sange;
Im Ost und im West, im Süd und im Nord,
Ich reite und streite dir immerfort
Dein Herold zu Krieg und zu Frieden!«

Der Rodenstein rief es vom bäumenden Pferd,
Ihm folgten die wilden Genossen,
Es blinkte sein Helm, und es klirrte sein Schwert,
Als stark er ins Weite geschossen;
Er stürmte die Grenzen hinab und hinauf
Und immer erklang und ersang aus dem Haus
Das Lied von dem Vaterlande.

Und selten mir weilt' er daheim auf dem Schloß,
Dort wollt' ihm die Ruhe nicht kommen,
Er freite kein Weib, er zog keinen Sproß;
Was soll denn die Heimat da frommen?
Seine Rast sind die Schlachten in Wald und in Feld,
Sein Bett ist der Boden, sein Schloß ist das Zelt,
Die Braut sein liebes Deutschland.

Fürs Vaterland kämpft' er als Mann und als Greis
Wohl fünfzig geschlossene Jahre,
Die bräunliche Locke ward silberweiß,
Doch blieb ihm die Seele, die klare;
Da rief er die Knappen, da zog er nach Haus,
Im Väterschlosse verklang das Gebraus,
Und nimmer ward er gesehen.

Doch nie ist gestorben der mächtige Held,
Und sind auch die Türme zerfallen,
Schaut blau durch das Dach auch das Himmelszelt,
Er herrschet noch stets durch die Hallen;
Und drohen dem Vaterland Krieg und Not,
Dann dröhnt durch die Feste des Ritters Gebot
Und drinnen beginnt es zu leben.

Gewaltige Recken steigen hervor,
Gewappnet auf schattigen Rossen,
Er führt in die Lüfte sie nächtens empor,
Die dunkeln, wilden Genossen;
Dort raset sein Horn, dort dröhnet sein Schild,
Dort schnaubet sein Roß, dort rufet er wild
Und warnet die heimischen Gauen.

So zog er voran noch jeglichem Krieg,
Den wild die Nachbarn entfachten,
Und feierte Niederlage und Sieg
In brausenden Geisterschlachten;
Doch nahet der Friede, er sieht es voraus,
Und zieht mit dem wilden Heere nach Haus,
Doch stets noch braust er hernieder:

»Mein Vaterland, du bist meine Lust,
Mein Lieb, das ich ewig umfange,
Dir schwillet mein Arm, dir glüht meine Brust,
Dich fei'r ich im brausenden Sange;
Im Ost und im West, im Süd und im Nord,
Ich reite und streite dir immerfort
Dein Herold zu Krieg und zu Frieden.«

Wolfgang Müller.


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