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Flörsheim

143. Das Fräulein von Flörsheim

Im kühlen Grunde da rauschet
Durch Erlenschatten der Quell;
Auf sonnigem Hügel da pranget
Das Schloß so heiter und hell.

Die Flöte des einsamen Hirten
Ertönt durchs friedliche Tal;
Vom Schlosse lauschet die Jungfrau
Herunter in süßer Qual.

Im Schatten ruhet die Herde,
Der Hirt entschlummert am Bach:
Die Jungfrau schwebet herunter
Und küßt den Schlummernden wach.

Es duftet die blumige Wiese,
Es lacht der Himmel so klar,
Ein Frühlingswehen aus Eden
Umhaucht das glückliche Paar.

Da kam die giftige Schlange,
Die Edens Freuden verdarb,
Und stach in die Ferse dem Jüngling:
Er zuckte zusammen und starb.

Die Jungfrau schwebte herunter,
Sie küßte den Toten nicht wach:
Da sank sie vom schwindelnden Stege
Hinab in den brausenden Bach.

Das war im Tale von Flörsheim,
Das war das Fräulein vom Schloß,
Der Hirte war es vom Kloster,
Des Glück die Schlange verdroß.

Und selig, wen in der Blüte
Der Wonne sie tödlich trifft:
Die Trauernden um das Verlorne,
Sie sterben am langsamen Gift.

G. Pfarrius.


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